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192 Der heilige Stephanus, Abt und Märtyrer.
gung erfolgen würde. Callistus kam zum zweitenmal zur Zelle, mit
den Soldaten, die den Heiligen herausrissen, aber von Staunen und
Mitleiden ergriffen wurden, als sie sahen, daß er weder aufrecht ste-
hen, noch gehen konnte, theils wegen der Schwache durch strenges
Fasten, theils weil er durch die gekrümmte Stellung, in der er meh-
rere Jahre schon in seiner engen Gruft zugebracht hatte, ganz ge-
lahmt war. Die Soldaten unterstützten ihn, und geleiteten ihn in's
Kloster, welches sie, wie es ihnen aufgetragen war, bewachten. Sechs
Tage blieben die Mönche eingeschlossen, und ohne einige Nahrung
zu sich zu nehmen, verharrten sie im Gebeth und im Psalmgcsang,
wodurch die Soldaten so erbaut wurden, daß sie sagten: „Da wir
diese Unschuldigen so übel behandeln, achten sie uns mit Recht den
Raubern gleich." Am siebenten Tage kam ein Abgeordneter des
Kaisers, der die Soldaten vom Kloster des heiligen Aurcntius, weil
unvermuthet ein Kriegszug gegen die Bulgaren unternommen werden
mußte, zurückberief, und den Abt wieder in seine Höhle brachte.
Dieß geschah im Jahre 76^.
Die Gewaltthätigkeit hatte jetzt zwar auf einige Zeit aufgehört,
desto geschäftiger zeigte sich nun aber die List und Verläumdung,
diese elenden Hilfsmittel niederträchtiger und feiger Seelen. Der
Kaiser und seine Anhänger bemerkten, daß man, wenn man nicht
den Unwillen aller Rechtschaffenen aufs Höchste steigern wolle, den
Vertheidigern des Glaubens etwas anderes zur Last legen müsse, als
ihre Treue in Bewahrung der kirchlichen Gebräuche. Der Höfling
Callistus gewann durch Bestechung den Sarigius, einen schlechten
Mönch, daß er seinen Abt Stephanus eines schändlichen Umganges
mit einer Frau beschuldigte, welche, da sie eine Wittwe, und ohne
Kinder war, auf Anrathen des Stephanus ihre großen Güter, ihre
Familie, und ihr Vaterland verlassen hatte, und in das Nonnenklo-
ster, welches nicht ferne von dem Kloster des heiligen Auxentius am
Fuße des Berges lag, getreten war. Auch eine Sklavin der Wittwe,
die bei dem Eintritte in's Kloster den Namen Anna erhalten hatte,
ward bestochen, zu zeugen gegen ihre Frau, und verläumderisch zu
bekräftigen die gegen dieselbe gemachten Beschuldigungen. Der Kai-
ser gab, sobald er diese Anklage vernommen hatte, dem Statthalter
von Constantinopel den Auftrvg, hinzueilen in's Nonnenkloster, die
angeschuldigte Ordensfrau zu ergreifen, und sie in's Lager zu bnn:
gen. Antheus, der Statthalter, befolgte mit hastigem Eifer diesen
Auftrag. Die gottseligen Bewohnerinnen des Klosters waren eben
zum Lobe Gottes durch Psalmgesang versammelt, als er in demsel-
ben ankam, und mit seinen Begleitern unter wildem Geschrei und
Waffcngeklirre in die einsame Wohnung des Friedens eindrang. Der
Schrecken der gottseligen Personen war unbeschreiblich. Der Gesang
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen