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196 Der heilige EtephanuS, Abt und Märtyrer.
Frohlockend ging er im Jahre 76ll an den Ort seiner Verbannung,
in der er nicht ferne vom Meere in einer Höhle, nahe bei der Kirche
der heiligen Anna wohnte, von Kräutern sich nährte, und dabei sich
sehr glücklich fand. Die aus dem Kloster des heiligen Aurentius
vertriebenen Mönche versammelten sich bei ihrem hochverehrten Abte,
und zu ihm kamen auch seine Mutter und seine Schwester, die aber
im nächsten Jahre schon starben.
Stephanus wirkte mehrere Wunder. Eines derselben machte
besonders großes Aufsehen, und kam zu den Ohren des Kaisers.
Ein Soldat der an der Hälfte seines Leibes gelähmt war, erlangte
augenblickliche Genesung, als Stephanus ihn das Bildniß Jesu
Christi und seiner heiligen Mutter verehren hieß. Der Statthalter
von Thracien schickte den Soldaten zum Kaiser mit der Anzeige,
daß er die Bilder verehrt habe. Der Kaiser fuhr ihn heftig an,
und fragte ihn, ob er in dieser Abgötterei zu verharren gedenke.
Der erschrockene Soldat warf sich ihm zu Füßen, und bat um Ver-
zeihung , als Einer, der verführt worden war, und verfluchte die
Bilder. Auf der Stelle erhob in der Kaiser zum Hauptmann. Der
neue Offizier wurde auf der Rückreise von seinem Pferde aus den
Boden geworfen, und so heftig getreten, daß er starb.
Der Kaiser ward jetzt mehr, als je zuvor, gegen den heiligen
Stephanus erbittert. Unter der Beschuldigung, daß der fromme Abt
selbst in seiner Verbannung die Leute zur Abgötterei verführe, ließ
er ihn nach Constantinopel bringen, und an Händen und Füßen ge-
fesselt, in das Gefängniß der Bäder werfen. Wenige Tage darauf
begab er sich mit Zweien von seinem Hofe an den Ort der See:
leuchte, und ließ ihn da vor sich er>chcinen. Auf dem Wege dahin
bat Stephanus einen Gläubigen um ein Geldstück. Er empfing's,
und hielt's unter seinem Gewände verborgen. AIs er vor das An-
gesicht des Kaisers gebracht wurde, schrie dieser wie rasend: »Ist's
dieser Elende, der mich beschimpft?" Der Abt senkte seine Augen
zur Erde, und schwieg. Der Kaiser fuhr fort zu schreien: „Unver-
schämter, erhalte ich keine Antwort?" Mit gelassenem Ernste erwie:
derte Stephanus: „Kaiser, wenn das Urtheil gegen mich schon ge-
faßt ist, so zögere nicht, es zu vollziehen; wenn du mich aber rufen
ließest, mich zu hören, so mäßige deinen Grimm. So fordern es
die Gesetze." Darauf erklärte er sich über die Verehrung der Bil-
der, zog endlich das verborgene Geld hervor, und fragte: „Herr,
wessen ist dieses Bild und die Ueberschrift?" Betroffen antwortete
der Kaiser: „Wessen sonst, als des Kaisers?" „Wenn ich es, sprach
der Abt, aus Verachtung auf den Boden wärfe und mit Füßen
träte, würde ich deßhalb gestraft werden?" „Warum nicht, wenn
du das Bild und den .iamen der unüberwindlichen Kaiser mit Füßen
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen