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Am 6. Mai. 201
was vorging, hörte was gesprochen wurde, ward erfüllt von Ehr-
furcht gegen Cosmas, und verlangte um so begieriger, ihn befreien
zu können, ^a er an ihm einen tauglichen Lehrer für seinen Sohn
zu erhalten hoffte. Er eilte hin zu dem Haupte der Saracenen,
und bat um die Freilassung des Cosmas. Sie wurde ihm gewährt.
Hoch erfrer,- nahm er den Fremdling in scin Haus, und überzeugte
sich bald, daß er Ursache habe, Gott zu preisen, der ihm seine Näch-
stenliebe durch einen Mann belohnte, an dem er für sich einen be-
währten Freund, und für seinen Sohn einen weisen Lehrer hatte.
Dieß geschah um das Jahr 699, als Johannes 20 Jahre alt war.
Unter der Leitung des Cosmas machten Johannes, und sein Jugend-
genosse, ein Jüngling, der auch Cosmas hieß, und den sein Vater
an Kindesstatt angenommen, und mit ihm erzogen hatte, in allen
Gattungen der Wissenschaften nicht weniger, als in der Veredlung
des Herzens die glänzendsten Fortschritte.
Nachdem Cosmas den ganzen Vorrath seiner schönen Kenntnisse
ihnen beigebracht hatte, verließ er Damaskus, und zog sich zurück
in das Kloster des heiligen Sabas, die Laura genannt, nahe bei
Jerusalem, wo er im Rufe großer Gottseligkeit sein Leben vollendete.
Bald nach dem Verluste seines hochverehrten Lehrers verlor Johan-
nes auch seinen Vater, dessen Tod er in tiefer Trauer, dabei aber
doch mit der vollkommensten Ergebung in die Fügung Gottes, be-
weinte. Die vortrefflichen Eigenschaften des Johannes blieben nicht
unbemerkt von dem saracenischen Fürsten zu Damaskus, der ihn zu
der Würde eines Rathes erhob. Johannes wendete Alles an, die-
sem Amte sich zu entziehen, ward aber genöthigct, der Forderung
des Fürsten nachzugeben. Er bewahrte in sich das Gefühl der De-
muth, beherzigte die Wichtigkeit seines neuen Berufes, und widmete
der treuen Erfüllung desselben alle Kräfte. Bei der pünktlichsten
Befolgung der irdischen Geschäfte, die er durch seinen frommen Sinn
heiligte, versäumte er nicht die Pstege seines Geistes, und die Uebun-
gen des Christenthums.
Um diese Zeit, im Jahre 730, sing der Kaiser Leo die Bestür-
mung der Bilder und die Verfolgung ihrer Verehrer an. Das fre-
velnde Beginnen des Kaisers entstammte den Johannes zum Kampfe
für die Gebräuche und Satzungen der heiligen Kirche. Er schrieb
Briefe an verschiedene Gläubige, in denen er die Verehrung der
Bilder vertheidigte, und nachdrücklich crmahnte, von derselben nicht
abzulassen. Leo erhielt hievon Kunde, gericth in bittern Eifer gegen
Johannes, und beschloß, ihn zu verderben. Weil scin grausamer
Arm ihn im fremden Gebiete nicht erreichen konnte, bediente er sich
dazu der niederträchtigsten Mittel, der List und der Verläumdung.
Durch seine Crcaturcn wußtc er sich cinen Brief, den Johannes ge-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen