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224 Der heilige Wunibaldus, Abt.
„Zuvörderst will ich dich ermahnt haben, daß du dich vor Gott
demüthigen, du, und dein ganzes Leben dir selbst mißfallen, auch
vor Gott und allen seinen Heiligen deine Schulden und Gebrechen
klagen und bekennen möchtest/-
Der heilige Wunibaldus, Abt.
(Am 18. Dc^mbcr.)
Nicht weniger großen Ruhm, als der heilige Burchardus und
andere Mitarbeiter des heiligen Bonifazius, erlangten in der deut-
schen Kirche die heiligen Wunibaldus und Willibaldus, zwei Brü-
der, und ihre Schwester Waldburgis. Auch sie stammten ab aus
England von einem vornehmen Geschlechte. Ihr Vater soll Richar-
dus geheißen haben.
Der heilige Wunibald wurde geboren im Jahre 701, und von
seinen frommen Eltern gottselig erzogen. In seiner Jugend schon
zeigte er eine große Vorneigung zum einsamen Leben. Da schon
reifte i:i ihm der Entschluß zum klösterlichen Stande. Neunzehn
Jahre alt, verließ er mit seinem Vater und seinem Bruder das Va-
terland , schiffte sich in dem Hafen zu Harwich ein, kam über daK
Meer nach Frankreich, und reiste nach Italien. Zu Lucca starb sein
Vater. Nachdem er beerdigt war, setzte er mit seinem Bruder die
Reise fort nach Rom. Italiens drückende Sommerhitze wirkte nach-
thcilig auf den Körper der jungen Engländer. Sie wurden krank,
doch nicht so schwer, daß nicht einer dem andern liebevollen Bei?
stand hätte leisten können. Die Krankenstube ward für sie zum Orte
der segensvollsten Erbauung durch die Lesung der heiligen Schriften,
und durch die gottseligen Gespräche, die sie über den Inhalt des
Gelesenen mit einander führten. Nach erlangter Genesung trat Wu-
nibald, seinem schon lange genährten Wunsche gemäß, in ein Kloster,
und Willibald zog, nach dem herzlichsten Abschiede von seinem Bru-
der, in das heilige Land. Mit großem Eifer widmete sich Wunibald
den Uebungen der Gottseligkeit, zumal der Erforschung der heiligen
Schriften, in der er eben so schnelle als große Fortschritte machte,
weil sein Verstand helle und unbefangen, und sein Gemüth lauter
war. Seine Mitbrüder bewunderten seine Weisheit, und bezeigten
ihm viele Liebe. Sieben Jahre hatte Wunibald in Rom gelcdt,
als er eine Reise in sein Vaterland machte in der frommen Absicht,
seine Anverwandten, zum eifrigsten Streben nach dem Seelenheile zu
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen