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228 Der heilige Willibaldus, Bischof zu Eichstädt.
frommen Verlangen, die heiligen Orte des Morgenlandes zu besu-
chen. Seit seiner Abreise aus England waren zwei Jahre verflossen,
wahrend denen er sich eine längere Zeit in Lucca, wo sein Vater
starb, und in Rom, wo er eine Krankheit überstehen mußte, aufge-
halten hatte, als er von seinem Bruder Wunibald den zärtlichsten
Abschied nahm, und die Reise mit einigen Gefährten dahin antrat.
Die frommen Pilger lebten sehr strenge, und genoßen fast immer
nur Brod und Wasser. Sie besuchten aller Orten die Gräber der
Heiligen. Von hoher Andacht durchdrungen verweilten sie zu (5a-
tania, in Sicilien, bei dem Grabe der heiligen Jungfrau und Mar:
lyrin Agatha; auf der Insel Cypcrn bei der Ruhestätte des heiligen
Epiphanius u. a. m. Uebcrall stärkten sie sich durch die Erinne-
rung an die hohen Tugenden der Heiligen und ihrer heldenmüthigen
Kämpfe für Glauben, zur eigenen Nachahmung. Ohne einen widri-
gen Zufall zu erdulden, kamen sie bis nach Emesa, einer Stadt in
Phö'nicien. Hier wurden sie, weil man sie nicht kannte, und deß-
halb für Spionen hielt, gefangen gesetzt. Ihr gottesfürchtiges Be«
tragen machte großen Eindruck auf einen Handelsmann, der sich für
ihre Freilassung sehr eifrig, aber fruchtlos, verwendete. Er erleich-
terte ihnen indessen die Gefangenschaft durch viele Beweise wohlthä-
tiger Liebe, und verschasst.: ihnen Gelegenheit, während derselben die
Kirche des heiligen Johannes des Täufers zu besuchen, welche die
Kaiserin Helena erbaut hatte. Wahrhaftig „die Gottseligkeit ist zu
Allem nütze." Endlich gelang es der Verwendung eines Spaniers,
ihre Loslassung bei dem saracenischen Fürsten zu bewirten. Gott
preisend setzten sie ihre Reise fort nach Palästina, wo sie alle merk-
würdigen Orte besuchten, insbesondere die, welche der Heiland durch
seine Gegenwart, durch sein Leiden, seinen Tod, und seine Verherr-
lichung gcheiügct hat.
Willibald kam mit scincn sieben Gefährten von Emcsa zu Lande
nach Damaskus zum Grabe des Ananias, welcher den heiligen Pau-
lus getauft hat. Unweit der Stadt sah er mit Rührung die Stätte,
wo Saulus aus einem Verfolger des christlichen Namens in einen
feurigen Vertheidiger und Apostel des Herrn, unter dcm Namen
Paulus, verändert worden. Von Damaskus verfolgte er seine Reise
nach Nazarcth, den Wohnort der heiligen Familie Jesus, Maria
und Joseph; nach Cana, wo Jesus das erste öffentliche Wunder ge:
wirkt hat. Darauf bestieg er den Berg Tabor, wo die Kirche Mo-
ses und Elias die Stätte der Verklärung Christi umfaßt. Jetzt be-
suchte er die Städte Tiberias, nebst dem Schlosse Magdalum, Ca-
pharnaum, Corozaim, und die Ufer des Jordans, wo Jesus getauft
wurde. Von da richtete er die Reise nach Jericho, und kam in daö
Kloster, welches die heilige Jungfrau Eustochium zwischen Jericho
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen