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242 Dcr heilige Ethelbert, König m England.
rief 'er einige von seinen vertrautesten Dienern, ihren Rath zu hö-
ren. Da diese von der Königin für ihre Anschlage heimlich schon
gewonnen waren, so stimmten sie für Ethclbcnü Tod. Nur wußten
sie nicht, wie derselbe, da Ethelb^t von ftiin'n Getreuen in großer
Anzahl umgeben war, bewerkstelligt werden sollte. Aus dieser Un-
gewißheit wurden sie gerissen von Guimbcrt, der, weil undankbar,
auch zu jeder andern Schandthat fähig war. Er war in seiner Ju-
gend in dem Palaste dcs Königs Ethelred, Ethelberts Vater, durch
zwölf Jahre erzogen worden, und dadurch mit Ethelbert in vertrau-
liche Bekanntschaft gekommen. Gerade diesen Umstand benutzte der
Undankbare, seinen Wohlthäter zu Grunde zu richten. Nachdem er
sich eine Summe Geldes für seine schwarze That hatte bezahlen lassen,
verfügte er sich bei Nacht zu Ethelbert, und stellte sich, eingehüllt
in den Deckmantel der Heuchelei, wie es niederträchtigen Seelen ei-
gen ist, demselben als vertraulichen Rathgcber dar. Er sagte ihm,
daß er seine Absicht, die königliche Tochter zu erhalten, am zuver-
lässigsten erreichen werde, wenn er sogleich hingehe zum Könige, aber
ohne alle Begleitung, weil der König wegen seiner Schwächlichkeit
allem Geräusche sehr abhold sey. Die selbst arglos sind, halten
gerne auch andere dafür. So Ethelbert. Ohne alle Bedcnklichkeic
ließ er sich unverweilt von dem schändlichen Vcrräher zum königli-
chen Palaste führen. In demselben angekommen, wurde er in ein
abgelegenes Gemach gebracht. Da sprangen die von Guimbert be-
stellten Mordgehilfen auf ihn los, ergriffen und banden ihn. Dem
guten Elhelbert blieb nichts mehr übrig, als seine Seele Gott zu
empfehlen. Er that es mit flehentlichen Seufzern, und während des-
sen wurde ihm mit seinem eigenen Schwerte von Guimbert das
Haupt abgeschlagen im Jahre 793.
Ethclberts Leiche wurde auf Befehl des Offa an dem Ufer des
Flusses Loden ganz heimlich begraben, bald darauf aber nach He-
resfort gebracht, und daselbst feierlich beerdigt. Seine Heiligkeit
wurde von Gott bestätigt durch mehrere Wunder, die bei seinem
Grabe geschahen.
Althrid, die Tochter des Königs Offa, ward durch den Tod
Ethelbcrts in den tiefsten Jammer versetzt. Sie sagte ihrem Hause
die Strafgerichte Gottes vor, die auch bald eintraten. Der alte
König bereute den verübten Mord, und starb bald vor Trauer.
Seine böse Gemahlin gerieth in Raserei, in der sie sich selbst zer-
fleischte, und auf eine fürchterliche Weise nach drei Monaten ihr Le-
ben vollendete. Althrid wollte lieber ungeachtet im Hause des Herrn,
als glänzend in den Wohnungen dcr Gottlosen leben. Sie entsagte
daher dem königlichen Glänze, gelobte Gott beständige Enthaltsam-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen