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256 Die heiligen Märtyrer in Amorium.
oder andern alten Propheten, anführen sollen, zum Beweist, daß er
von Gott gesandt sey? Ihr meint, es spreche für euere Sache,
daß euere Fürsten Reiche zerstören, und i!ander durch Waffengewalt
sich unterwerfen. Allein seht hin auf die Perser, die beinahe den
ganzen Erdkreis sich unterworfen haben; zahlet die Triumphe der
Griechen, von welchen die Perser besiegt wurden; erwäget die Siege
der Römer, deren Herrschaft die Gränzen der Erde erreichte. Ha-
ben diese siegreichen Völker der wahren Religion gehuldigct? Wa-
ren sie nicht auf die unsinnigste Weise der Abgötterei ergeben? Bis-
weilen verleihet Gott den Sieg denen, die ihm dienen; bisweilen
aber läßt er's geschehen, daß sie, wenn sie ihn beleidiget haben, besiegt
werden, indem er sich der Gottlosen als einer Geisel zur Züchtigung
seiner Kinder bedient." Die Faquirs sahen sich besiegt, und verlie-
ßen den Kerker. Die Christen priesen Gott, der ihnen die Gabe
der Standhaftigkeit, und durch sie den Sieg verliehen hatte. Sie-
ben volle Jahre erduldeten sie die Qual einer harten Gefangenschaft
mit unerschütterter Geduld, bekräftigten sich im Glauben, erbauten
sich durch gemeinschaftliches Gebeth, und flehten ohne Unterlaß zu
Gott um die Bekehrung der Muselmänner.
Im Jahre 842 starb der Chalife Mutazcn. Ihm folgte im
Chalifat sein Sohn Vatcc. Dieser sprach das Todesurthcil über
die gefangenen Christen aus. Am 5. März des Jahres 845 kam
jener Elende, der die Stadt Amorium verrathen, und darauf den
muhamedanischcn Glauben angenommen hatte, bei Nacht zum Ge-
fängnisse , rief den Constantin, den Secretär des Aetius Patritius,
zu einer kleinen Ocffnung des Kerkers, entdeckte ihm, daß die Ge-
fangenen am andern Tage getödtet werden sollten, redete ihm zu,
daß sie, wenigstens dem Scheine nach, zum muhamcdanischen Glau-
ben sich bekennen, und auf diese Weise ihr Leben und ihre Freiheit
erhalten sollen. „Gott wird euch," sprach der feige Verräther,
„verzeihen, was ihr in der höchsten Noth gethan habt." Constan-
tin hörte diese Rede mit Entsetzen und mit Unwillen, bezeichnete sich
mit dem Kreuzzeichcn, und entfernte sich eilig von dem Abtrünnigen
mit den Worten: „Gott wird dich strafen, du Verführer; entferne
dich, du Diener der Ungerechtigkeit." Patritius fragte den Constan-
tin, wer ihn gerufen, und mit ihm gesprochen habe. Dieser entdeckte
ihm, daß sie am nächsten Tage werden, getödtet werden, verbarg
aber, damit er keinen Anstoß ihm gebe, den verführerischen Antrag.
Patritius sprach: „Es geschehe der Wille des Herrn!" machte sein
Testament, und ermunterte darauf alle Gefangenen, mit ihm die
Nacht zuzubringen im Gebethe und mit Lobgesang.
Am Morgen des folgenden Tages kam auf Befehl des Chali-
fen der Stadtrichtcr in den Kerker, begleitet von Schergen, welche
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen