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Am 6. März. 25)7
Mordinstrumente bei sich trugen, deren Anblick den Gefangenen
Schrecken einjagen sollte. Die Angeschensten aus diesen, zwei und
vierzig an der Zahl, wurden aus dem Kerker herausgeführt, und
darauf die Thüre desselben wieder verschlossen. Der Stadtrichter
fragte sie: „Wie viele Jahre seyd ihr im Gefängnisse gewesen?"
„Sieben, wie du wohl weißt," antworteten die Christen. Jener
sagte: „Diese lange Zeit muß euch von der Nachsicht der Chalifen,
des verstorbenen und des gegenwärtigen, überzeugen," wendete seine
ganze Beredtsamkeit an, und machte die glänzendsten Verheißungen,
sie zum Glauben an Muhamed, als einen göttlichen Propheten, zu
bewegen, und zum Gebethe mit dem Chalisen. Die Christen aber
beharreten unerschüttert in dem Garden an Jesus Christus. „Wir
bitten," sagten sie zu dem Richter, „den wahren Gott, daß er das
Herz des Chalifen, dein Herz, und das Herz aller Araber lenke,
zu verlassen den Irrthum Muhameds, und anzubethcn Jesum Chri-
stum, den die Propheten und Apostel verkündigt haben. Es sey
ferne von uns, daß wir das Licht verlassen, und der Finsterniß
folgen."
Nun wurden sie auf Befehl des Richters, mit auf den Rücken
gebundenen Händen, abgeführt an das Gestade des Flusses Tigris,
wo Samarra, die Residenz des Chalifcn stand. Unzählige Men-
schen, Muselmänner und Christen, drängten sich als Zuschauer her-
bei. Da man bei dem Flusse angekommen war, berief der Richter
aus der Reihe der gefesselten Christen den Theodorus zu sich, und
sagte zu ihm: „Du warst ein Priester, und doch hast du die Waf-
fen getragen, hast Menschenblut vergossen, und dadurch deine Würde
geschändet! Wie kannst du noch für einen Christen dich ausgeben?
Wäre es nicht ersprießlicher für dich, die Hilfe Muhameds anzufle-
hen, da du auf Jesum Christum, den du verlassen hast, deine Hoff-
nung nicht mehr setzen kannst?" „Gerade deßwegen" erwiederte
Theodor, „will ich für ihn mein Blut vergießen, damit ich die Ver-
gebung meiner Sünden verdiene. Wenn ein Sklave, der dir entflo-
hen ist, wieder zurückkehrte, und für dich sich todten ließe, würdest
du ihm seine vorige Schuld nicht vergeben?" Der Richter sagte:
„Meine Rede beabsichtigte dein Heil. Nun aber soll unverweilt ge-
schehen, was du verlangst."
Jetzt entblößten die Schergen die Schwerter, und rüsteten sich,
den christlichen Glaubenshelden die Köpfe abzuschlagen. Theodor be-
sorgte, daß Patritius, wenn er das Blut seiner Freunde fließen sehe,
zu sehr erschüttert werden möchte. Er drängte sich deßhalb an seine
Seite, und sprach: »Herr! du hast immer uns Alle, so wie an
Würde, auch an Tapferkeit übertroffen; immer bist du unser Anfüh-
rer gewesen, es geziemt sich daher, daß du auch die Marterkrone
Zweiler Vand, 17
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen