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Am 23. Oktober. 271
Der heilige Mcthodius starb am 24. Juni des Jahres 847.
Zu scinem Nachfolger wurde erwählt der Abt Ignatius, der jetzt
acht und vierzig Jahre alt war. Glühend war der Eifer dieses
gottesfürchtigcn Mannes für die Ehre Gottes und für das Heil Al-
ler, die der Sohn Gottes durch sein Blut erlöset hatte. Unter sei-
ner treuen Pflege blühte die Kirche zu Eonstantinopel wieder herrlich
empor, und verbreitete ihre neue Kraft auch auf die andern Kirchen
des Morgenlandes. Allein, nur wenige Jahre verstoßen, als sich
schon wieder ein neues Ungewitter zeigte, welches die erste Veranlas-
sung der bedauernswürdigen Trennung der griechischen Kirche von der
lateinischen war, welche gegenwärtig noch besteht.
Der junge Kaiser Michael sing an, je näher er dem männlichen
Alter kam, auch immer mehr auszuarten. Bardas begünstigte seine
Ausschweifungen. Dadurch bekam er den Willen dcs Kaisers, und
so auch alle öffentlichen Geschäfte in seine Gewalt. Auf seine Ver-
anstaltung wurde Theoktist heimlich umgebracht, und Manuel starb.
Der Mutter Thcodora gab der junge Kaiser kein Gehör, und so
war Niemand mehr, der seinen Leidenschaften Einhalt thun konnte
Er liebte auf die leidenschaftlichste Weise den Wein und die öffent-
lichen Spiele. Seine angenehmsten Gesellschafter waren Schauspic:
lcr, Gaukler und Stallknechte, deren ausgelassene und rohe Sitten
er annahm. Er spottete der heiligsten Dinge, und ließ dabei selbst
Gott nicht unverschont. Mit einem Worte: Michael entartete so
sehr, daß er mit Recht dem heidnischen Kaiser Nero verglichen wird,
und es zweifelhaft ist, ob er nicht noch schlimmer, als dieser, gewe-
sen sey. Bardas übte die höchste Gewalt uneingeschränkt aus. Da-
bei war sein Wandel in hohem Grade tadelnswürdig. Geblendet
vom Glänze seiner Macht und seines Glückes, achtete er nickt mehr
auf die Schranken der heiligsten Gesetze, und verging sich olich so-
weit, daß er seine Gemahlin verstieß, und seine Schwiegertochter
öffentlich bei sich in scinem Hause hielt. Zu diesem groß?n Aerger-
nisse durfte und wollte der Patriarch Ignatius nicht schweigen. Er
stellte dem Bardas sein großes Vergehen vor, und ermähnte ihn zur
Besserung und zur Buße. Bardas aber gab der heilsamen Ermah-
nung kein Gehör, sondern setzte das große Aergerniß fort, erschien
aber dessen ungeachtet am Feste der Erscheinung am 6. Jänner 858
in der Kirche, wo er das Allerheiligste empfangen wollte. Ignatius
wies ihn zurück, befolgend den Befehl des Sohnes Gottes: „Gebet
das Heilige den Hunden nicht, und werfet euere Perlen den
Schweinen nicht vor," (Matth. 7, 6.) Bardas ergrimmte, und
drohte, den Patriarchen mit dem Schwerte zu durchbohren, wenn er
ihm das heilige Abendmahl nicht reichen würde. Ignatius blieb
festen Muthes, und stellte ihm mit Nachdruck vor die Strafgerichte
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen