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276 Der heilige Ignatius, Patriarch zu Constantinopel.
setzen, und aus der Versammlung entfernen müßten; widerlegte die
grundlosen Beschuldigungen, die gegen ihn vorgebracht, und durch
gedungene falsche Zeugen bekräftiget wurden; widersetzte sich der von
dem Kaiser, von den Bischöfen, von den päpstlichen Legaten, die
ebenfalls vom Kaiser gewonnen waren, bald unter dieser, bald unter
jener Gestalt, an ihn gemachten Forderung, eine schriftliche Erklä-
rung von sich zu geben, daß er der Patriarchenwürde selbst freiwil-
lig entsage. Den Grund dieser Weigerung gab er an mit den Wor-
ten: „Wäre der gewaltsam eingcdrungene Photius von dem Kirchen-
regimcnte entfernt, so würde ich sehr gerne mcincm Amte entsagen.
Wie könnte ich aber die Schafe Jesu Christi einem eingcdrungencn
Hirten überlassen, der aus der Kirchengcmeiüschaft ausgcschloffen ist i^
Er berief sich endlich auf den Papst, dessen Gericht er freudig aner-
kennen wolle.
Zehn Tage hatte die Versammlung gedauert, als gegen Igna-
tius das Urtheil der Entsetzung ausgesprochen wurde. Das Gewand
wurde ihm mit Gewalt von seinem Leibe gerissen, und ein elender
Kittel ihm angelegt.
Die grausame Wuth des Photius gegen Ignatius tobte fort.
Er bewirkte von dem schwachen Kaiser die Verfügung, daß Ignatius
in der Apostelkirche erscheinen, da vor dem versammelten Volke von
öffentlicher Kanzel sein Absetzungsurtheil ablesen, und seine Verdam-
mung selbst aussprechcn müsse, darauf des Augenlichtes beraubt, und
seine rechte Hand ihm abgehauen werde. Diese grausame Verfü-
gung sollte am hohen Psingstfeste, welches in diesem Jahre 861 —
auf den 25. Mai fiel, vollzogen werden. In der Nacht vor diesem
Tage wurde die Wohnung des Ignatius von Soldaten umringt.
Der Patriarch, dieß bemerkend, zog ein schlechtes Gewand eines sei-
ner Diener an, nahm zwei Körbe auf seine Schultern, und verließ
so die Wohnung. Die Soldaten erkannten ihn nicht. Er entkam,
begünstigt durch die Finsterniß der Nacht, aus Constantinopel, ging
dem Meere zu, und ließ sich hinübcrschiffen auf eine Insel. Da
wechselte er fortwährend, um nicht entdeckt zu werden, seinen Auf-
enthalt, wobei er unsägliches Ungemach ausstehen, und vom Almo-
sen leben mußte. Alle Anstalten des Kaisers und des Photius, den
Entwichenen aufzufinden, blieben fruchtlos. Gott beschützte seinen
Diener. Im August des nämlichen Jahres wurde Constantinopel
von fürchterlichen Erdbeben heimgesucht. Die Bewohner der Stadt
erklärten laut, daß dieses Gottes Strafe sey wegen der ungerechten
Verfolgung des Ignatius. Das böse Gewissen jagte den Kaiser und
den Bardus in Furcht. Sie betheuerten öffentlich, und durch einen
Eid, daß Ignatius ungehindert in sein Kloster zurückkehren dürfe,
daß weder ihm, noch denen, die ihn verborgen hielten, ein Leid ge?
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen