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Am 28. September. 287
bei diesem der reinste Erguß des Herzens. Unvcrstc/.t waren die
Aeußerungen seiner Freude, und ungeheuchelt die Merkmale seiner
Liebe. Am 27. September, am Festtage der heiligen Märtyrer Cos-
mas und Damianus, welche als Patrone der in Bunzlau stehenden
christlichen Kirche verehrt wurden, gab Boleslaus ein prächtiges
Gastmahl. Bei diesem sollte Wcnzcslaus nach dem scheußlichen An-
schlag seines gottlosen Bruders meuchelmördcrisch umgebracht werden.
Es waren einige schlechte Menschen gewonnen worden, die schwarze
That zu vollziehen. Sie saßen auch beim Gastmahle, und hatten
die Morddolche unter ihrem Gewände verborgen. Dreimal standen
sie von ihren Sitzen auf, den tödtenden Stoß zu thun; jedesmal
aber entfiel ihnen der Muth, gleich als würden sie von einer unsicht-
baren Gewalt von der schaudervollcn That zurückgehalten. Wenzes-
laus bemerkte die Gefahr, die ihm drohte, stand unter einem andern
Vorwande vom Tische auf, und setzte sich zur Seite. Einer von
seinen Getreuen drang insgeheim an ihn, daß er sich retten solle
durch schnelle Flucht, zu der ein Pferd schon bereit stände. Allein
dazu wollte Wcnzeslaus sich nicht entschließen, sondern kehrte zur
Tafel wieder zurück, ergriff seinen Becher, hob ihn in die Höhe,
und sprach laut: «Laßt uns diesen Becher trinken im Andenken an
den heiligen Erzengel Michael, der uns die Gnade der Eintracht
zur Erlangung der ewigen Freude von Gott erbitten wolle." Die
anwesenden Gläubigen sagten: „Amen." Nachdem der Becher bei
Allen herumgegangen und ausgeleert war, küßte Wenzeslaus Alle,
und zog sich in sein Schlafg'emach zurück, wo er sich nach einem in-
brünstigen Gebethe im Vertrauen auf Gottes mächtigen Schutz der
Ruhe überließ. Am folgenden Tage wurde die Vigil der Gedacht-
mßfcier des Erzengels Michael begangen. Wenzeslaus begab sich
deßwegen, bevor es noch Tag war, zur Kirche, um da, wie er's an
solchen Tagen zu thun gewohnt war, Theil zu nehmen an dem Ge-
bethe und an dem Gesänge der Priester. Als er aber dahin kam,
wurde die Thüre vor ihm geschlossen, und augenblicklich sah er sich
umgeben von Boleslaus, und dessen Anhängern, die alle bewaffnet
waren. Er grüßte freundlich, unter liebevoller Umarmung, den gott-
losen Bruder. Dieser aber zog das Schwert, und begann mit ei-
gener Hand den fürchterlichen Brudermord, den seine Anhär icr vol-
lenden halfen. Unter vielen Schwertstreichen gab der heilige Wen-
zeslaus seinen Geist auf, um das Iahr^K30 am 28. September.
Sein Leichnam wurde zu Alt-Bunzlau in der Kirche der heiligen
Märtyrer Kosmas und Damianus begraben, und drei Jahre später
nach Prag in die Kirche des heiligen Märtyrers Vitus übersetzt.
Viele und große Wunder, die beim Grabe geschahen, bcstättigten
die Heiligkeit des Dieners Gottes. —
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen