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Am 14. März. 29 l
Schwachheit, sondern im Geiste der wahren christlichen Liebe, so gut
sie konnte, zu entschuldigen. Sie sagte: »Durch geduldige Erlra-
gung der Widerwärtigkeiten kann man sich Vieles verdienen; —
um einen großen Theil der Verdienste bringt man sich aber, wenn
man die Liebe gegen diejenigen verliert, die uns zu leiden Gelegen:
heit geben." „Mein Sohn Otto behandelt mich, wie ich es ver:
diene. Was den Heinrich betrifft, den ich so sehr geliebt habe, und
immer lieben werde, glaube ich gewiß, daß er gegen seinen Willen
von mir abgeneigt ist. « Man sah voraus, daß er eines Tages mein
Trost und meine Stütze werden sollte, und darum suchte man dieses
Trostes und dieser Stütze mich zu berauben. Dafür sey gepriesen
Gott, den ich immer bitten werde, daß er diese meine beiden Söhne,
ohne Rücksicht auf mich, nach seiner großen Barmherzigkeit wieder
mit einander aussöhne."
Da die Verfolgung, welche Mathildis von ihren Söhnen er:
dulden mußte, nicht nachließ, entfernte sie sich vom Hofe, und zog
sich nach Westphalen zurück. Schön sagt der heilige Chrysostomus:
„Der liebevolle Gott mischet unter die Leiden immer auch wieder
einige Freuden. Er läßt seine Heiligen nicht lauter Bitterkeiten,
aber auch nicht immer Süßigkeiten verkosten, sondern Er weiß das
Leben der Gerechten aus Widerwärtigkeiten und Tröstungen auf wun:
derbare Weise mit einander zu vermischen." Dieß erfuhr auch die
fromme Mathildis. Nach ihrer Entfernung vom Hofe sahen sich
Otto und Heinrich durch mancherlei Unglücksfälle vom Himmel heim-
gesucht und gczüchtiget. Nebst andern unglücklichen Ereignissen fiel
für jenen einer seiner Kriegszüge unglücklich aus, und dieser wurde
von einer schweren Krankheit befallen. Editha, des Otto Gemahlin,
und die Bischöfe und die Großen des Landes benutzten diese Anlässe,
die beiden Prinzen auf bessere Gesinnung gegen die Mutter zu brin:
gen; indem sie ihnen freimüthig ihre Vergehungcn gegen dieselbe,
und die erfolgten Strafen des Himmels vor Augen s Uten. Diese
Vorstellungen machten auf Otto den erwünschten Eindruck. Er be-
reute sein hartes Betragen gegen die Mutter, schickte Abgeordnete
an sie, welche in seinem Namen sie um Verzeihung bitten, und an
den Hof wieder zurückbringen sollten. Mathildis lobte Gott für die
gnädige Erhörung ihres Gebethes, sicherte freudig ganzliche Verzei-
hung zu, und begab sich ungesäumt mit den Abgeordneten auf den
Weg der Rückkehr. Otto eilte semer Mutter entgegen, stieg, als er
sie erblickte, von seinem Pferde, warf sich ihr zu Füßen, und bar
sie um Vergebung. Durch sein Beispiel wurde auch Heinrich ge-
rührt. Er kam gleichfalls, und unterwarf sich eben so ehrfurchtsroll
seiner beleidigten Mutter.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen