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292 Die heilige Mathildis, Königin.
Mathildis, die jetzt wieder auf ihrem vorigen Platze stand, bc-
eiferte sich mit verdoppelter Anstrengung, die Werke der Andacht und
der Wohlthätigkeit zu üben, und ihre Mitmenschen zu erbauen. Je
älter sie wurde, desto heftiger ward in ihr das Verlangen, Jesu
Christo ähnlich zu werden, und sich mit Ihm ganz zu vereinigen.
Ihr höchstes Vergnügen fand sie in der Unterhaltung mit Gott im
Gebethe und in heiliger Betrachtung, denen sie jetzt noch öfter, als
zuvor, sich widmete.
Als ihr Sohn Otto von Rom, wo er zum Kaiser gekrönt
wurde, zurückgekommen war, begab sich die heilige Mathildis nach
Köln, um ihn da bei dem Erzbischofe Bruno, der auch ihr Sohn
war, zu empfangen. Von Köln ging sie, begleitet von Otto und
Bruno nach Nordhauscn in Thüringen, wo sie ein Kloster gestiftet
hatte. Hier nahm sie von ihren Söhnen Abschied, denn sie blieb
im Kloster zurück, um sich zum Austritte aus dieser Welt vorzudc:
reiten. Bald wurde sie von einer langwierigen Krankheit befallen,
von der sie sich aber nicht hindern ließ, die Uebungen der Andacht
und die Werke der Liebe fortzusetzen. Obgleich krank, besuchte sie
noch einmal die Klöster, Spitäler und andere Häuser der Wohlthä-
tigkeit, die sie in Sachsen gestiftet hatte. Zu ihrem großen Herzen-
leide war nun auch ihr Sohn Bruno gestorben, und sie fühlte im-
mer mehr, daß ihre letzte Stunde herannahe. Sie begab sich daher
im Jahre 967 nach Quedlinburg, wo sie begraben seyn wollte, weil
da auch die Leiche ihres geliebten Gemahls lag. Kaum war sie in
Quedlinburg angekommen, als ihre Krankheit so überHand nahm,
daß sie im Bette bleiben mußte. Sie erhielt viele Besuche. Der
angenehmste war ihr der, welchen ihr Wilhelm, der Erzbischof von
Mainz, ihr Enkel, machte. Diesen bat sie, daß er ihr beistehen,
und die Sakramente der Sterbenden reichen wolle. Er that es,
und die fromme Dulderin ward erfüllt mit unaussprechlichem Troste.
Wilhelm bemerkte, daß ihr Ende noch nicht sehr nahe sey, und
kehrte daher mit ihrer Einwilligung nach Mainz zurück. Mathildis
wollte ihm noch ein Andenken geben, und ließ daher die Äbtissin des
Klosters zu sich kommen, mit ihr sich zu berathen, was etwa dazu
das Schicklichste wäre. Die Äbtissin aber sagte: „Es ist nichts
mehr da; denn du hast alle Einrichtung und alles silberne Geräth
verkauft, und das Geld den Armen gegeben. Nur noch einige Tü-
cher sind übrig, die du für deine Leiche bestimmt hast." »Gut,"
sagte Mathildis, „gebet ihm diese Leichentücher, denn er wird sie
noch eher, als ich, vonnöthcn haben." Dieß hatte ihr Gott einge-
geben; denn der Bischof erkrankte, und starb auf der Heimreise.
Mathildis überlebte ihn zwölf Tage. Nachdem sie sich dem Gebethe
der Anwesenden empfohlen hatte, ließ sie sich auf eine rauhe Decke,
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen