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291 Der heilige Ulrich, Bischof zu Augsburg.
m'ß ihrer Vorgesetzten jugendliche Spiele machten, schlich er dämlich
davon, besuchte die Wiborada, eine gottcsfürchtige Klausnerin, die
sich bei St. Gallen, nahe bei der Kirche des heiligen Georg, in eine
Zelle eingeschlossen hatte, und unteidielt sich mit ihr in frommen
Gesprächen. Eines Tages gab sie ihm einen Gürtel, den sie selbst
verfertiget hatte, und sprach: .Mein Sohn! nimm hin diesen Gürtel
der Keuschheit, und vergiß nie, daß Wiborada dich umgürtet hat.
Hüte dich vor dem Umgänge und der Unterhaltung mit Personen
des andern Geschlechtes, und sollten fleischliche Versuchungen in dir
rege werden, so verlasse geschwind den Ort , und siehe des Höch-
sten Hilfe an. Weicht der Feind nicht, so vertilge Feuer mit
Feuer!"
Ermuntert und gekräftigt von Wiborada, schritt Ulrich aus der
Bahn der Tugend täglich weiter fort. Er bewachte mit größter
Sorgfalt die Reinigkeit seines Herzens, war strenge gegen sich selbst,
und trug ein rauhes Bußgewand. Sein Haupt ruhte auf einem
Stein. Das Zeichen zur Metten erwartete er vor dem Eingänge
der Kirche, lehnend auf einem Stuhle, oder liegend auf der Erde.
Beim Gottesdienste war sein Herz ganz erglüht von andächtiger
Inbrunst. Willig erduldete er den Muthwillen einiger seiner Mit-
schüler, die ihn einen Frömmler nannten. Anders, als diese Leicht-
sinnigen , dachten von ihm die Mönche des Klosters St. Gallen.
Sie bewunderten seine Tugend, bewiesen ihm große Liebe, und dran-
gen endlich in ihn, daß er dem Klosterstande sich widmen, und in
ihre Genossenschaft eintreten solle. Einen so wichtigen Schritt wollte
aber Ulrich nicht thun, ohne Einstimmung seiner Lehrmeisterin, der
frommen Wiborada. Diese trug die Angelegenheit des tugendhaften
Jünglings Gott in ihrem Gebethe vor,, und offenbarte ihm nach drei
Tagen, was Gottes Geist ihr eingegeben, hatte, mit folgenden Wor-
ten: „Nicht länger soll Verlegenheit deine Seele quälen. Wisse:
Du wirst in diesem Kloster weder Mönch noch Abt werden, sondern
gegen Aufgang, wo ein Fluß zwei Landschaften scheidet: (der Lech
zwischen Bayern und Schwaben) wirst du als Bischof Gott dienen, und
am nämlichen Orte solche Dinge erdulden müssen, dergleichen keiner
deiner Vorfahren weder von den Heiden, noch von bösen Christen
wird erduldet haben. Viele der Deinigen werden umgebracht, und
viele Orte verheert werden. Diese Trübsal und Verwirrung wird
mehrere Landschaften treffen; doch wirst du am Ende mit Gottes
Hilfe den ruhmvollsten Sieg davon tragen, und die übrige Zeit in
der süßesten Ruhe dahin leben." Diese Voraussagung der von
Gott erleuchteten Klausnerin wurde, wie wir hören werden, pünkt-
lich erfüllt.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen