Page - (000300) - in Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres - Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
Image of the Page - (000300) -
Text of the Page - (000300) -
298 Der heilige Ulrich, Bischof zu Augsburg.
heiligen Afra, bei der er sich sein Grab machen ließ, das er in der
Folge alle Freitag, wenn er nicht gehindert war, besuchte. Nach:
dem Alles wieder hergestellt und geordnet war, reiscte der heilige
Ulrich nach Rom zu den Gräbern der heiligen Apostel. Von da
brachte er die Reliquien des heiligen Märtyrers Abundus nach Augs-
burg. Oeftcrs besuchte er auch das Kloster St. Gallen, welches
ihm vorzüglich lieb war, weil er in demselben seine erste Bildung
erhalten hatte. Von St. Gallen verfügte er sich fast immer auch
in das Kloster Einsieden, den frommen Diener Gottes, den heiligen
Eberhard, zu besuchen. Einst ward er auf seiner Rückreise von St.
Gallen in Kcmptcn krank, aber durch das von ihm geweihte Oel
bald wieder gesund. Um das Jahr 940 unternahm er eine Reise
nach Burgund, wo er einen Theil der Reliquien des heiligen Mau-
ritius erhielt. Er brachte sie nach Augsburg, legte sie in ei-
nen mit Gold und Silber gezierten Sarg, und setzte sie zur Verch-
rung aus.
Obgleich schon sehr entkräftet durch Arbeit und Leiden, so wie
durch das weit vorgerückte Alter machte er eine zweite Reise nach
Rom aus Andacht, um das Ende seines Lebens den heiligen Apo-
steln Petrus und Paulus zu empfehlen. Er fuhr, wo es geschehen
konnte, auf einem Wagen; auf unfahrbaren Wegen mußte man ihn
in Betten gewickelt auf Pferde legen. Der Besorgnisse seiner Die-
ner ungeachtet kam er nach Rom, verrichtete mit heißer Inbrunst
seine Andacht, und kehrte dann wieder zurück über Ravcnna, wo er
den Kaiser Otto antraf, der ihm bewilligte, alle zeitlichen Geschäfte
der Bisthumsverwaltung seinem Neffen Adalbero übergeben zu dür-
fen, um desto ungestörter den geistlichen Verrichtungen und den Uc:
bungen der Gottseligkeit obliegen zu können. Er kleidete sich jetzt
nach Art der Mönche, nach deren Regel er schon zuvor immer ge-
lebt hatte.
Um eben diese Zeit starb auch der Kaiser Otto. Dadurch
wurde Ulrich auf's Neue in große Betrübniß versetzt. Die täglich
überhandnehmende Abnahme seiner Kräfte verkündigte ihm, daß sein
eigenes Ende ebenfalls n^he sey. Auf dieses sich vorzubereiten, war
noch seine einzige Sorge. Täglich entrichtete er, so schwach er war,
das hochheilige Opfer, und als die zu große Entkräftung es ihm
nicht mehr gestattete, ließ er sich in die Kirche bringen, demselben
beizuwohnen. Wer ihn sah, ward durch seine heiße Inbrunst tief
gerührt. Den ganzen Tag brachte er im Gebethe zu, oder er
ließ sich von dem Probste Gerhard aus geistreichen Büchern vorle-
sen. Gott gewährte seinem frommen Diener manche Blicke in die
Zukunft.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen