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Ani 20. November. 301
eingenommen von Ehrfurcht, und fand sich gedrungen, ihm sein Zu-
trauen und scine Liebe zu schenken.
Konrad widmete sich dem geistlichen Stande, wurde, nachdem
er sich auf eine ausgezeichnete Weise für denselben vorbereitet hatte,
von Notingus, dem Bischöfe von Konstanz, zum Priester geweiht,
und bald darauf zum Domprobste bestellt. Diesem wichtigen Amte
stand er auf eine Weise vor, daß er alle Erwartungen auf's Voll:
kommenstc befriedigte. Mit rastloser Thätigkeit verband er die ge-
wissenhafteste Amtstreue, große Bescheidenheit und allumfassende
Liebe. —
Im Jahre 924 starb der Bischof Notingus. Der heilige Ul-
rich von Augsburg beerdigte dessen Leiche, und sobald diese feierliche
Handlung vollzogen war, ordnete er ein dreitägiges Fasten, und öf-
fentliche Gebethe an, von Gott eine beglückte Wahl des neuen Bi-
schofs zu erflehen. Darauf wurde unter seiner Leitung die Wahl
vorgenommen, welche einstimmig auf" den Domprobst Konrad fiel.
Alles frohlockte, nur Konrad ward in tiefe Bestürzung versetzt, und
weigerte sich standhaft, die bischöfliche Würde anzunehmen, weil er
sich zur Verwaltung des heiligen Amtes nicht tauglich und nicht wür-
dig hielt. Endlich gab er den dringenden Bitten der Geistlichkeit
und des Volkes nach, welche durch Ulrichs dringende Vorstellungen
unterstützt wurden, und empfing die bischöfliche Weihe.
Zum Ruhme des Bischofs Konrad kann wohl nicht mehr ge-
sagt werden, als: Er war der gute Hirt seiner gläubigen Heerde,
vollkommen würdig des obersten Hirten Jesus Christus, ganz erglüht
für die Ehre Gottes und für das Heil der Gläubigen.
Zwischen dem heiligen Konrad und dem heiligen Ulrich bestand
ein enges Band heiliger Freundschaft. Sie besuchten einander oft.
An dem Glauben, an der Hoffnung, an der Liebe des Einen er-
glühte der Glaube, die Hoffnung, die Liebe des Andern. Dieser
suchte und fand bei Jenem, und Jener bei Diesem Belehrung, Er-
bauung und Trost. „Sieh, wie gut, wie lieblich ist's, wenn Brü-
der in Eintracht leben!"
In dieser Zeit stellte man vielfältige Wallfahrten in's gelobte
Land, zumal nach Jerusalem an. Der fromme Bischof Konrad rei-
sete dreimal dahin, die Orte zu besuchen, die der mcnschgcwordcne
Sohn Gottes durch seine Geburt, durch sein Leben und Sterben,
durch seine Auferstehung und Himmelfahrt geheiliget hatte, um da-
durch seinen Glauben und seine Liebe zu seinem Erlöser zu entstam-
men. Das Andenken an den Tod des Heilandes desto lebendiger
zu machen und zu erhalten, ließ er in Mitte der Kapelle, die er,
wie oben bemerkt wurde, zu Ehren des heiligen Mauritius in Kon-
stanz erbaut hatte, ein heiliges Grab errichten, nach der Form, wie
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen