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306 Die heilige Adelhaid, Kaiserin.
dadurch den stolzen Mann zur bittersten Rache. Er ließ sie ihres
Schmuckes, ihrer kostbaren Kleider, und aller andern Habschaft be-
rauben^ und bald darauf einsperren in ein Schloß am Gardersce,
wo sie strenge bewacht wurde. Zur Bedienung ward ihr eine ein-
zige Person gelassen, mit der sie ihre Leiden theilen konnte. Wäh-
rend ihrer Gefangenschaft, die mehrere Monate dauerte, wurde sie
mch'.'ma! mit Fäusten geschlagen, und bei den Haaren herumgezogen;
ja man sprang sogar mit Füßen auf sie. Ihr bcdauerungswürdigcr
Zustand ging einem Priester, Martinus mit Namen, zu Herzen. Er
fand Mittel, die unschuldige Königin aus ihrem Gefängnisse zu ret-
ten, indem er ein Loch in die Mauer brach, oder, wie Andere er-
zählen, einen geheimen Gang unter der Erde ausgrub.
Adelhaid nahm, in Gesellschaft ihrer Kammerfrau, in einer fin-
stern Nacht die Flucht, und verbarg sich in einem Walde, oder wie
Abt Odilu schreibt, in einer Pfütze, nahe am Gardersce. Hier wa-
ren sie einen ganzen Tag dem schmerzcndstm Hunger und der größ-
ten Kälte ausgesetzt. Zum Glücke kam endlich ein Fischer, der ihnen
einige Fische gab, Holz in der Gegend sammelte, und ein Feuer
machi<, sie zu erwärmen. Diese Trübsale trugen, wie der heilige
Odilo bemerkt, dazu bei, das Herz dieser Fürstin von den Mängeln
und Fehlern ihres bisherigen Lebens zu reinigen-. Sie lernte die
Hinfälligkeit aller menschlichen Größe erkennen, erhob ihren Geist zum
Himmel, und sehnte sich nach einer wahren Größe, und nach solchen
Gütern, die keine Gewaltthätigkeit der Menschen uns entreißen kann.
Ihre Leiden warcn daher der Anfang jener Heiligkeit, zu der sie
nach der Zeit gelangt ist.
Kaum hatte der Bischof von Neggio Nachricht von der Befrei-
ung Adelhaids erhalten, als er sie in die Festung'Canossa, die ein
Lehen seines Bisthums war, in Sicherheit bringen ließ. Um sich
gegcn die Gewaltthätigkeit Ber^,:gars für immer sicher zu stellen,
nahm Adelhaid ihre Zuflucht zu Ottol . , dem Könige von Deutsch-
land, den sie dringend bat, sich ihrer und des Reiches anzunehmen.
Noch im nämlichen Jahre 951 zog Otto mit eiinm Kricgsheere nach
Italien, zwang den Berengar, der eben Kanossa belagerte, von der
Festung abzureden, und schlug ihn in die Flucht. Hierauf eroberte
er Padua, die Hauptstadt des Reiches, und wurde daselbst als König
anerkannt. Otto hatte seine Gemahlin Editha früher schon verloren,
und war noch Wittwer. Da nun Adelhaid die rechtmäßige Erbin
des Königreichs Italien war, und alle Eigenschaften besaß, die sie
des Thrones würdig machten, entschloß er sich, sie zur Gemahlin
>men, und hielt mit ihr noch im nämlichen Jahre, um Weih-
nachten, feierliche Hochzeit. —
Im folgenden Jahre begab sich Adelhaid mit Otto nach Deutsch-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen