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Am 19. Dezember. 307
land. Der Ruf von ihren außerordentlichen Tugenden hatte sich aber
schon lange vorher dahin verbreitet; sie wurde deßhalb mit lautem
Jubel empfangen. Ihre Frömmigkeit und Gottesfurcht verschafften
ihr große Verehrung, ihre Herablassung, ihre Leutseligkeit, und ihre
Mildthätigkeit die allgemeine Liebe. Ihre Wohlthätigkeit gegen Arme,
Wittwen und Waisen kannte beinahe keine Gränzen. Pracht und
Glanz verabscheute sie so sehr, daß sie Edelsteine und andere Kost:
barkeiten weder auf dem Haupte, noch an ihren Kleidern tragen
wollte. Von diesen Dingen machte sie einen ediern Gebrauch, in-
dem sie dieselben verkaufte, und das Geld theils den Armen aus:
theilte, tbeilä zu andern gottseligen Zwecken verwendete. Ihr groß:
tes Vergnügen fand sie in dem Umgänge mit Gott, im Gebethe
und in geistlicher Betrachtung. In dieser Absicht schloß sie sich sehr
oft in ihr Bethzimmcr ein, warf sich da auf ihr Angesicht nieder,
und demüthigte sich vor Gottes Majestät als ein schwaches Geschöpf,
das die Hilfe des Himmels um so mehr vonnöthen hätte, je meh-
rern und größern Gefahren der Seele sie in einem so hohen Stande
ausgesetzt wäre. Große Achtung bewies sie den Kirchen, und den
geistlichen Personen. Sie stiftete mehrere Klöster für Manns: und
für Weibspersonen, damit diese den Herrn für sie bitten, und den
Segen des Himmels über die königliche Familie und über das ganze
Reich erflehen möchten. Ausgezeichnete Hochschätzung bewies sie dem
heiligen Majolus, Abt von Clugni, und dem Nachfolger des Ma:
jolus, dem heiligen Odilo, der ihr Leben beschrieben hat.
Adelhaid hatte seit dem Jahre 955 einen Sohn, der, wie sein
Vater, Otto hieß, und ihm in der Regierung folgte. Sie beeiferte
sich aus allen Kräften, denselben gut zu erziehen, und in dessen
Herzen die Grundsatze der heiligen Religion und der christlichen Tu:
gend recht srühe und recht tief einzupflanzen. Mit ihrem Gemahle
lebte sie in der vollkommensten Eintracht. Sie unterwarf sich ihm
nach der Vorschrift des Apostels, und bewies ihm große Ehrfurcht
und die zärtlichste Liebe. Beide beeiferten sich, einander bcizustehen,
sich gegenseitig im Guten zu kräftigen, und wechselseitig ihre Seelen
zu heiligen.
Im Jahre 973 ward Adelhaid durch den Tod ihres Gemahls
Otto in die schmerzlichste Trauer versetzt. Sie unterwarf sich aber
mit vollkommenster Ergebung der Fügung Gottes. Otto I I . , ihr
Sohn, der bereits schon von dem Papste zum Kaiser gekrönt war,
folgte seinem Vater in der Regierung. Da er noch sehr jung war,
bat er seine Mutter, daß sie ihm durch ihren weisen Rath in den
Geschäften der Regierung beistehe. Adclhaid that's zum größten Nu:
tzen, und zur allgemeinen Zufriedenheit der Völker, von denen sie
sehr hoch verehrt wurde. Bald darauf aber setzte der Neid mehrere
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen