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Am 31. Oktober. 315
konnte Niemand hohe Verehrung und innige Liebe versagen. Der
Erzbischof schenkte ihm fcin ganzes Vertrauen, und ruhte nicht, bis
derselbe endlich die Würde eines Dechants annahm. In dieser Ei:
genschaft wirkte Wolfgang, mehr durch sein Beispiel, als durch Be:
fehle, so segensvoll auf die Priesterschaft, daß man bald eine große
Veränderung in ihrem Wandel wahrnehmen konnte.
Im Jahre 964 starb der Erzbischof Heinrich zu Rom, wo er
sich in Geschäften aufhielt. Vor seinem Tode empfahl er seinen
Freund Wolfgang dem Kaiser Otto. Die Todesnachricht erregte in
Trier eine allgemeine Trauer. Tief bestürzt durch dieselbe ward auch
Wolfgang. Mehr als je, fühlte er jetzt in sich die Sehnsucht, in
einem Kloster Gott zu dienen. Zwar versuchte es Bruno, der Erz-
bischof von Cöln, dem die herrlichen Vorzüge des geistreichen Man-
nes bekannt waren, ihn auf andere Gesinnung zu bringen. Da er
aber dessen festen Willen sah, entließ er ihn mit seinem Segen.
Wolfgang kehrte nun in seinen Geburtsort zurück. Unbeschreiblich
war die Freude, mit der er von seinen Aeltern und Anverwandten
aufgenommen wurde; aber eben so groß auch die Betrübniß, als er
seinen Entschluß, in e^n Kloster zu gehen, offenbarte. Alle Künste
der Beredtsamkeit, Liebkosungen, Verheißungen, Bitten und Thrä-
nen wurden angewendet, von seinem Entschlüsse ihn abzubringen.
Er aber blieb unerschüttert, suchte die Seinigen zu, beruhigen, und
erklärte dabei, er wolle einem größern und reichern Herrn dienen,
der ihm alles reichlich ersetzen werde, was die liebenden Aeltern ihm
angeboten hätten. Diese meinten, er spreche von einem irdischen
großen Herrn, dem er zu dienen gesinnt wäre, und gaben sich end-
lich zufrieden. Immer sieht ja die Welt nichts Höheres, als was
in ihre Sinne fällt: daher wollten sie des Sohnes Glück weiter nicht
hindern, und segnend entließen sie ihn.
Wolfgang begab sich in das Kloster Einsiedlen in der Schweiz,
welchem damals ein Engländer, Gregor mit Namen, der seine Ael-
tern, eine Braut, und sein Vaterland, aus Liebe zu Gott, verlas:
sen hatte, als Abt vorstand. Da nahm er das Ordenskleid, und
die Regel des heiligen Benedikts an, die er so pünktlich befolgte,
daß er den erprobtesten Mönchen zur Aufmunterung war. Unter
allen seinen Tugenden glänzte, wie ein herrliches Edclgestcin, die
Demuth hervor. Er achtete sich für den Geringsten, und befliß sich,
der Diener Aller zu seyn. Aus den benachbarten Klöstern kamen
viele Mönche zu ihm, denen er mit Bewilligung dös Abtes Unter-
richt in den Wissenschaften, und Anleitung zu immer größeren Fort-
schritten auf der Bahn der Vollkommenheit ertheilte.
In der Lebcnsgcschichte des heiligen Ulrich haben wir gehört,
daß dieser Bischof das Kloster Einsiedlen besucht habe. Da ward
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen