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32« Der heilige Gebhard, Bischof zu Konstanz.
von Konrad, der sich sehr freute, nicht besorgen zu dürfen, daß er
die Hände einem Unwürdigen auflege. Als Priester blieb er in Kon-
stanz, erfreute sich des täglichen Umgangs mit seinem hochverehrten
Bischöfe, der ihn zu vielen und wichtsgen Geschäften seine« bischöf-
lichen Hirtenamtes verwendete, und endlich wegen seiner großen Fröm-
migkeit in die Zahl der Domherren, oder Kanoniker, welche damals
noch gemeinschaftlich in einem Hause lebten, aufnahm. Gcbhard
arbeitete unabläßig fort an seiner eigenen Vervollkommnung. Im
Jahre 974 starb der Bischof Konrad, der als Heiliger, und als
vorzüglicher Patron des Bisthums Konstanz verehrt wird. Sein
Nachfolger im bischöflichen Amte war Gaminolphus. Nach dessen
Tode, welcher nach vier Jahren schon erfolgte, siel die einstimmige
Wahl der Priester und des Volkes aus Gebhard. Sie wurde be-
stätigt von dem Papste Benedikt VI I . und von dem Kaiser Otto I I .
und Gebhard im Jahre 979 auf den bischöflichen Stuhl in Konstanz
erhoben. Der Kaiser übersandte dem neuen Bischöfe Ring und Stab,
und erließ eine dringende Aufforderung an das Volk, demselben die
schuldige Treue und willigen Gehorsam zu leisten.
Gebhard beeifertc sich jetzt noch mehr, als zuvor, Allen, den
Priestern und der gläubigen Heerde, sich darzustellen als Vorbild
des reinen Glaubens, der ächten Frömmigkeit, der ungeheuchelten
Liebe Gottes und der Menschen, der aufrichtigen Demuth, der Be-
scheidenheit und Klugheit, des strengsten Berufseifers, und der besten
Ordnung in allen Dingen. Er wählte sich gute und verständige
Männer zu Rathgebcrn für die so vielseitigen und wichtigen Geschäfte
seines bischöflichen Amtes. Er bemühte sich, durch weise Anordnun:
gen, durch Belehrungen und Ermahnungen den Priestern seines Spren-
gels einen guten Sinn einzuflößen, sie zu einem eingezogenen Wan-
del zu ermuntern, und zum berufsmäßigen Eifer für das Wohl der
ihnen untergebenen Schafe aufzuwecken. Er bethete eben so oft als
inbrünstig für das Wohl seiner Kirche. Die heiligen Handlungen
verrichtete er mit einer solchen Frömmigkeit und Würde, daß auch
die Unachtsamsten und Leichtsinnigsten zur Aufmerksamkeit und Ehr-
furcht gegen das Heilige hingerissen wurden.
Uzo, der Vater des heiligen Gebhards hinterließ bei seinem
Tode große Reichthümer. Er hatte viele Herrschaften am Bodensee
und am Rhein besessen, die nun als Erbschaft an seine Söhne über-
gingen. Die Brüder Gebhards verständigten sich, nach verschiedenen
Zwistigkeiten, endlich miteinander, daß sie diesen von der väterlichen
Erbschaft ganz ausschließen wollten, weil er als Geistlicher seine hin-
reichende Versorgung schon habe, und daher keiner weitern Reichthü-
mer bedürfe. Als Gebhard die Anschläge seiner Brüder vernahm,
war er sehr betroffen, mehr über den Geiz und die Ungerechtigkeit
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen