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Am 27. August. 321
derselben, als über den ihm zugedachten Verlust der Erbschaft. Er
wendcte alles an, auf dem Wege der Güte zu erlangen, was ihm
nach dem Rechte gebührte. Als aber seine Verwendung fruchtlos
blieb, drang er mit Ernst aus die ihm gebührende väterliche Erb-
schaft, die er endlich auch erhielt. Sobald er zu dem Besitze der:
selben gelangt war, bewies er's in der That, daß er sie nicht aus
niedriger Habsucht für sich selbst, sondern zu weit ediern Zwecken
gesucht habe. Er widmete sie der Herstellung eines anständigen Ein-
kommens der Bischöfe zu Konstanz, der Vermehrung und Besoldung
des bischöflichen Rathes, der Erbauung und Stiftung einer Pflanz-
schule gelehrter und frommer Priester, und der Unterstützung der Ar-
men, die als ihren Vater ihn verehrten.
Die so eben erwähnte Pflanzschule war das Kloster Petershau-
sen mit der schönen Kirche, welche Gebhard im Jahre 992, zu
Ehren des heiligen Gregorius des Papstes, einweihte. Beringar,
ein gelehrter und frommer Mönch von EinslVdlen, war der erste Abt
dieses Klosters, welches, von seinem Ursprünge an bis zu seiner in
den Stürmen der neuesten Zeit erfolgten Auflösung, ein Sitz der
Wissenschaften und eine Schule wahrer Frömmigkeit gewcscn ist.
Das Bisthum Konstanz hatte, demselben, und folglich auch dem
Stifter Gebhard, mehrere würdige Bischöfe, geistliche Räthe und
Priester zu verdanken, sowie auch unzählige Andere den Grund ihrer
Gelehrsamkeit und Tugend da gelegt halten.
Gebhard wollte seinen schönen Anstalten und Stiftungen, die
er zum Wohl des konstanzischen Bisthums gemackt hatte, beständige
Dauer verschaffen, damit das Gute derselben bis in die spätesten
Zeiten fortwirken möchte. Er trachtete daher vor Allem, wie es in
jenen Zeiten üblich war, die Bestätigung und den Schutz des römi-
schen Papstes für dieselben zu erhalten. Zu diesem Ende reisete er
nach Rom, wo er von dem Papste Johann XVI . sehr gut aufge-
nommen wurde, und die Bestätigung seiner Stiftungen, sowie für
das Kloster Petershausen wichtige Privilegien, welche in einer Ur-
kunde vom Jahre 989 ausgedrückt sind, erlangte. Zum Beweise
der besondern Hochschätzung und Liebe schenkte ihm der Papst meh-
rere Reliquien der Heiligen (angeblich auch das Haupt eines heili-
gen Papstes Gregor), welche am 8. Oktober 990 in die neue Kirche
zu Petershausen mit großer Feierlichkeit gebracht wurden. Aus seiner
Rückreise von Rom besuchte Gebhard den Bischof Ulrich zu Augs-
burg, mit welchem er, wie bereits schon bemerkt worden ist, in hei-
liger Freundschaft lebte. Der heil. Gebhard war von Leiden so
wenig, als jeder andere Mensch hier auf Erden befreit. Auf seinem
ganzen Lebenswege hatte er viele, oft schwere Trübsale zu erdulden.
Bald waren es Leiden der Zeit, bald Leiden des Leibes, bald Lei-
Zweiter Nand. 21
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen