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Am 12. September. 327
Dem Gottfried von Bouillon, Herzog von Lothringen, wurde
der Oberbefehl in diesem Kriege übertragen. Er hielt Musterung,
wählte sich die Brauchbarsten aus, und schickte die Uebrigen unter
andern Anführern voraus. Diese wurden aber auf ihrem Zuge,
weil sie sich die größten Ausschweifungen erlaubten, theils von den
Ungarn, theils von den Türken größtenthcils erschlagen. Gottfticd
trat im Jahre 1069 den Marsch an, kam, nachdem er mehrere
Städte in Palästina eingenommen hatte, vor die Stadt Jerusalem,
und eroberte sie im Jahre 1099. Acht Tage darauf wurde er zum
Könige ausgerufen. Dieses neue Königreich dauerte unter abwech-
selnden Schicksalen 80 Jahre. Es wurden in der Folge noch meh-
rere Kreuzzüge nach Palästina unternommen. Endlich aber erkaltete
der Eifer der Abendländer, und Palästina kam wieder unter die
Bothmäßigkeit der Türken.
Der heilige Guido, ein Kirchendiener.
(Am 12. Scpicmbcr.)
Der heilige Guido, insgemein der Armc von Anderlech genannt,
wurde in einem Dorfe, nahe bei Brüssel geboren. Seine Aeltern
waren arm, abcr sehr fromm und tugendhaft. Sie unterwiesen
ihren Sohn sorgfältig in der christlichen Lehre, und leiteten ihn an
zur Gottesfurcht durch das Vorbild ihres guten Wandels. Frühe
prägten sie ihm Zufriedenheit mit dem geringen Stande ein, in dem
sie lebten, lehrten ihn bessere Güter kennen, als die Erdengüter sind,
und wiederholten in dieser Absicht ihm oft, was Tobias seinem
Sohne sagte: „Wir sind reich genug, wenn wir den Herrn fürch-
ten." Die Lehren und das Vorbild wirkten mächtig auf das zarte
Gemüth des jungen Guido, der sich nach allen Kräften bestrebte,
die Pflichten des Christenthumes nach dem hohen Begriffe, den er
von denselben erlangt hatte, getreulich zu erfüllen. Beherzigend den
Ausspruch des Sohnes Gottes: „Selig sind die Armen, denn ihrer
ist das Himmelreich/« liebte er die Niedrigkeit seines Standes so
sehr, daß er es für einen großen Verlust gehalten hätte, wenn Reich-
thümer und Ansehen ihm zu Theil geworden wären.. Als Knabe
schon ging er oft, wenn er unbeschäftigt war, insgeheim in die
Kirche, da in kindlicher Unschuld zu beten, oder er schlich sich in
die Wohnungen armer Kranker, und brachte ihnen seine wenigen
Sparpfennige, und die Bissen Speise, die er seinem Munde entzogen
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen