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328 Der heilig? Guido, ein Kirckendiener.
hatte. Die gewöhnliche Heiterkeit mangelte ihm am Schluffe jeden
Tages, an welchem er nicht in die Kirche gekommen war, oder
nicht eine Gabe der Liebe gespendet hatte.
Nachdem Guido das männliche Alter erreicht hatte, ward in
ihm ein sehnliches Verlangen rege, nach Art der alten Einsiedler ab-
geschieden von der Welt zu leben, und sich der Bewunderung und
den Lobeserhebungen der Menschen, die ihm jetzt allenthalben zu
Theil wurden, zu entziehen. Allein er konnte, zu seiner großen
Betrübniß, weder einen Ort, der zu seiner Absicht schicklich gewesen
wäre, noch einen geistlichen Führer, dem c, sich hätte übergeben
können, auffinden. Eines Tages kam er nach Lacken, nahe bei
Brüssel, wo er in der Muttergotteskirche mit großer Inbrunst be-
thete. Der Pfarrer des Ortes bemerkte ihn, ließ sich mit ihm in
eine Unterredung ein, durch die sich die innere Heiligkeit des Knech-
tes Gottes offenbarte, und beredete ihn endlich, als Kirchendiener
(Meßner) bei der Kirche in Lacken zu bleiben. Guido freute sich
dieses neuen Berufes, weil er ietzt nicht mehr seinem eigenen Ni l-
len überlassen war, sondern unter der Leitung eines geistlichen Füh-
rers und unter dem Gehorsame stand. Zum Theile war nun erfüllt
sein Verlangen, zurückgezogen von der Welt, sich den geistlichen
Uebungen ungestört widmen zu können. Alle Verrichtungen seines
Dienstes, auch die, welche in den Augen Anderer sehr geringfügig
erscheinen, waren ihm wichtig. Er verrichtete alle mit der größten
Pünktlichkeit, und mit einem Anstande, welcher für den Dienst im
Hause Gottes sich ziemt. Jeder Wink sei. es Vorgesetzten war ihm
ein Befehl, als käme er von Gott, und er vollzog ihn eben so
schnell als freudig um Gottes willen. Für die Reinlichkeit der Kirche
und aller Gegenstände, die in derselben sich befanden, war er mit
seltenem Eifer besorgt. Da war nichts zu sehen, was dem besten
Auge zum Anstoße hätte seyn können. Die größte Aufmerksamkeit
widmete er dem Altare und der Entrichtung und Spendung der hei-
ligen Geheimnisse. Rein waren stets alle Gewände, und glänzend
alle Gefäße, die zu demselben gebraucht wurden. Was jede Jah-
reszeit Schönes au Blumen u. dgl. hatte, mußte sie dem frommen
Kirchendiener geben zur Verzierung der Altäre, der Bilder und der
Reliquien. Die Stunden, welche von seine-i Verrichtungen ihm übrig
blieben, ja selbst ganze Nächte brachte er bethend am F»ße des Al-
tares zu. Er kasteictc seinen Leib durch Wachen, Fasten und an-
dere Bußwcrke. Er bewies überall seine innere Reue und Zerknir-
schung, als wäre er der größte Sünder, obgleich man an ihm kei-
nen Fehler bemerken konnte. Er war von Herzen demüthig, und
daher auch voll Sanftmuth und voll Liebe.
Seine Gottseligkeit zog ihm von allen Seiten große Bewun-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen