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Am 12. Jul i . 231
der heiligen Afra beigesetzt wurde, bis an die Gränzen seines Gebie-
tes. Bald darauf am 6. Juni 1002 wurde er in Mainz zum
Könige von Deutschland ausgerufen, und jetzt sah er ein die wahre
Bedeutung der an der Wand wahrgenommenen Schrift. Heinrich
hatte als nächster Anverwandter gerechte Ansprüche auf die deutsche
Krone, und er darf daher nicht ungeordneter Herrsch: oder Ruhm-
sucht beschuldiget werden, weil er dieselben geltend zu machen suchle.
Er ward gezwungen, wider seinen Gegner Hermann, den Herzog
von Schwaben, Waffengewalt anzuwenden. Die Güter des Her:
zogs wurden bis a.. den Bodcnsec verheert. Jene, welche von die-
sem Umstände Anlaß genommen haben, dem Könige Heinrich Grau-
samkeit und Rachsucht vorzuwerfen, haben den Geist jener Zeit, und
die Weise, Krieg zu führen, nicht genug beachtet. Von Rachsucht
war dieser König so weit entfernt, daß er denen, welche ihn reizen
wollten, die Stadt Konstanz, deren Bischof dem Herzoge ergeben
war, zu plündern und zu verheeren, und zur Verwüstung der Stadt
Straßburg, deren Bischof dem neuen Könige huldigte, thätig mit-
gewirkt hatte, sich standhaft widersetzte, und die Antwort gab: „Der
handelt übel, der seine Gewalt befestiget auf eine Weise, welche sei-
ner Seele nachtheilig ist. Gott hat mir die königliche Gewalt nicht
gegeben, daß ich Kirchen zerstöre, sondern damit ich die, welche
solches thun, bestrafe." Als die Klage der Unterthanen des Her-
zogs über die Drangsale, welche sie von seinen Kriegern erduldeten,
zu seinen Ohren kamen, machte er den Verheerungen ein Ende, ver-
ließ Schwaben, und zog nach Franken.
Heinrich hatte als Herzog von Bayem den bayerischen Grafen
Berthold vorzugsweise ausgezeichnet, und ihn sehr reichlich begabt.
Nachdem er zum deutschen Könige erhoben war, sandte Hezilo, der
Sohn Bertholds, Abgeordnete an ihn, mit der Bitte, daß er ihm
das Herzogthum Bayern verleihen wolle. Der König erwiederte
ihm, er überlasse es dcr bayerischen Nation, den zum Herzoge zu
wählen, dcr ihr gefällig sey, indem er weit entfernt sey, sie in die-
ser Wahl selbst zu stören, oder durch wen immer stören zu lassen.
Er war vermählt mit Cuncgundis, einer Tochter Siegfrieds, des
Fürsten zu Metz, und an dcr Mosel. Die Lebensgcschichte der Cu-
negundis versichert, diese Vcrehelichung sey geschehen mit der beider-
seits freiwillig übernommenen Verbindlichkeit, die jungfräuliche Rei-
nigkeit zu bewahren. In der Folge ward die gottcsfürchtige Köni-
gin durch eine schwarze Vcrlä'umdung der ehelichen Untreue beschul-
diget. Gott aber offenbarte ihre Unschuld, indem er sie unverletzt
aus der in jener Zeit üblichen Feuerprobe hervorgehen ließ. Sie
ging auf glühenden Kohlen, ohne daß eine Beschädigung ihrer Füße
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen