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336 Der heilige Romualdus, Abt.
sich zu erhole», war auch Urseolo, welcher »ach der Ermordung sei-
nes Vorgängers Petruü Candiano zur Dogenwürde (der höchsten
Würde in diesem freien Staate) >rar erhoben woiden. Obgleich
Urseolo diese Würde nur auf das dringendste >>nd wiederholte Bit:
ten seiner Mitbürger übernommen l,atte, so w.<^ deniwch sein Ge-
wissen gar sehr beunruhiget durch den Gedanke», daß seine Erhö-
hung durch eine Verschwörung und Ermordung veranlaßt worden.
Er beschloß, diese Stelle bei erster füglicher Gelegenheit niederzule-
gen, weßhalb er auch mit dem heiligen Abte Ouirinus, der damals
in Venedig sich befand, und mit den beiden yeiligen Einsiedlern
Marinus und Romualdus sich besprach, die einstimmig ihm riethcn,
der Stimme seines Herzens Gehör zu geben, und den Herrscherstab
gegen das sanfte Joch Jesu Ehristi zu vertauschen. Mit inniger
Freude nahm er diesen Rath auf, und folgte dem heiligen Ouirinus
mit den beiden Einsiedlern und einigen Freunden nach Catalonien
in das Kloster, welchem Ouirinus als Abt vorstand, nahm daselbst
das Ordcnskleid, und errang die Siegeskronc der Heiligen. Seine
Gedächtniß wird am 10. Jänner gefeiert.
Marinus und Romualdus begaben sich auf die Verfügung des
heiligen Abtes in eine nahe gelegene Einöde, und gründeten daselbst
eine Brüdergemeinde, welche Romuald leitete, und durch sein eige-
nes Beispiel zu den erhabensten Tugenden anregte. Denn bei seiner
hohen Vollkommenheit fastete er sehr strenge, wachte beinahe bestan-
dig, verwendete die Zeit, welche vom Gebethe ihm übrigte, zu nütz-
lichen und beschwerlichen Handarbeiten. So strenge er jedoch gegen
seinen eigenen Körper war, so sanftmüthig war er gegen seine Un-
tergebenen. Mit mildem Ernste erhielt er sie in klösterlicher Zucht,
und wie sehr er auch sich selbst bestrebte, jenen Altvätern der Wüste
in aller Strenge nachzukommen, so lenkte er dennoch die Seinigen
mit großer Klugheit und seltenem Besonnenheit, und gestattete nie,
daß sie unmäßige Werke der Buße verrichteten. Seine innerliche
Freude wurde in dieser Einöde noch vermehrt durch die Bekehrung
des Grafen Oliver oder Oliban, eines angesehenen Herrn dieses
Landes, der auf seine Ermahnungen aus einem ausschweifenden
Weltmanne ein wahrer Büßer ward, und auf dem Berge Cassino
in den Orden trat. Auch Sergius, der Vater Romualds, wurde
von dem Beispiele seines Sohnes tief gerührt, und beschloß, demsel-
ben nachzufolgen. Doch nicht mit leichter Kraft widerstand er den
Ranken des Versuchers; und als Romuald erfahren hatte, daß sein
Vater im Begriffe sey, das Kloster des heiligen Severus zu verlas-
sen, in welches er, Buße für sein vergangenes Leben zu thun, sich
begeben hatte, traf er schnell Anstalten, nach Italien zu reisen, und
ihn dahin zu vermögen, daß er unwandelbar in seinem Entschluß
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen