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Am 7. Februar. .^9
herzlicher Freude die Wahl in allen ihren Ländereicn überließen.
Er wählte eine höchst abgelegene, von Gebirgen und hohen Wäl-
dern umgränzte Statte, Val die Castro genannt, wo eine fruchtbare
und wohlbewässerte Ebene lag. Hoch erfreut über diese Einöde, er-
baute er eine Menge Zellen, ließ mit einer großen Anzahl Jünger
dort sich nieder, und wirkte die reichlichsten Segensfrüchte in der
ganzen Umgegend. Innig gerührt durch seine Ermahnungen ver-
theilten Viele ihre beste Habe an die Armen, und brachten ihre üb-
rige Lebenszeit in ungeheucheltcr Frömmigkeit und Buße zu. Wie
ein Seraph in einem sterblichen Korper, erschien Romuald unter den
Menschen, und das heilige Feuer, das in seinem Herzen glühte, er-
griff alle seine Zuhörer so gewaltsam, daß eine große Anzahl der-
selben der Welt entsagte, und dem Herrn im klösterlichen Gewände
diente.
Das berühmteste der Klöster, die Romuald stiftete, war das
Kloster zu Camalduli, nahe bei Arrczo im toseanischen Gebiete. Er
errichtete dasselbe mitten in den rauhesten Gebirgen, auf einer mit
Tannen umgränztcn, und von sieben Quellen bewässerten Anhöhe,
welche der Gegend eine sehr freundliche Ansicht gewährt. Als er
einst daselbst entschlummert war, sah er in einem geheimnißvollen
Traume eine Leiter, die von der Erde bis zum Himmel reichte, und
auf derselben seine Ordensjünger in wc,ßcn Gewändern auf- und
niedersteigen. Er verstand den Wink des Himmels, berief sogleich
die eifrigsten seiner Brüder, gab ihnen weiße Gewände, und die'
Regel des heiligen Benedikt, die er mit verschiedenen Satzungen ver-
mehrte. Weit einsamer und strenger lebten nun diese, vom mensch-
lichen Umgänge gesondert, um ungehindert der heiligen Vollkommen-
heit obzuliegen. Also begann dieser heilige Orden, welcher sehr
schnelle Aufnahme in allen Theilen der Christenheit fand, und an
großen Heiligen fruchtbar war. Doch nicht an dieser Stätte wollte
der Heilige sein Leben beschließen. Zwanzig Jahre vor seinem Tode
hatte er seinen Jüngern gesagt, er würde in dem Kloster Val di
Castro seine irdische Laufbahn vollenden. Dorthin begab er sich,
sowie er sein Ende herannahen fühlte, ließ sich eine abgesonderte
Zelle mit einem Bethkämmerlein errichten, um sich darin einzuschlie-
ßen, und das Stillschweigen bis an seinen Tod zu beobachten. Als
die Statte seiner Ruhe bereitet war, fühlte er, wie seine Leiden sich
vermehrten, und bereitete sich zu seinem Hinscheiden, ohne von sei-
ner strengen Lebensweise nachzulassen; denn immer trug er ein rau-
hes Bußklcid, und aß nie etwas anderes, als gekochte Kräuter ohne
Würze. Wenige Stunden vor seinem Tode befahl er um die Abend-
dämmerung zwei Brüdern, die um ihn waren, seine Zelle zu ver-
lassen, und nur mit Anbruch des Tages zurückzukehren. Mit Weh-
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Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen