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Der heilige Gerardus, Bischof und Märtyrer.
,Am 24. September.)
Der heilige Gerardus, der sich in Ungarn um den christlichen
Glauben große Verdienste erworben hat, wurde geboren zu Venedig
zwischen den Jahren 97l) und 98N. Er erhielt eine gute christliche
Erziehung, und zeichnete schon frühe sich durch Gottesfurcht und
durch reines Streben nach einem heiligen Wandel aus. In der
Folge widmete er sich dem geistlichen Stande, nachdem er, wie es
wahrscheinlich ist, in das Kloster des heiligen Georgs zu Venedig
eingetreten war. Etwa dreißig Jahre alt, faßte er den Entschluß
in das Morgenland zu reisen, jene Orte zu besuchen, welche der
Erlöser durch seine Gegenwart, während seines Erdenlcbens, gcheili-
get hatte. Er nahm seinen Weg durch Ungarn, kam da zu dem
Könige, dem heiligen Stephanus, der ihm eine liebevolle Aufnahme
gewahrte, von den glänzenden Borzügen des frommen Mannes sich
überzeugte, daher für ihn sehr eingenommen wurde, und in ihn
drang, in diesem Lande zu bleiben. Gerardus wollte sich dazu nicht
bereden lassen. Einige Geschichtschreiber sagen, der König habe ihn
wider seinen Willen zurückbehalten. Sey dem, wie ihm wolle, Ge-
rarduS blied in Ungarn. Die ersten sieben Jahre seines Aufenthal-
tes brachte er zu Beel, in dem Gebiethe von Ofen, wo nachher
auf Einrathen des heiligen Gunthcrus von dem Könige Stephan
das Kloster St. Moriz erbaut wurde, in der Einsamkeit zu. Sein
einziger Genosse war Maurus, dessen in d'er Geschichte oes heiligen
Stephanus erwähnt worden ist, und der nachher auf den bischöfli-
chen Stuhl zu Fünfkirchen berufen wurde. Tief in einem Walde
hatten die beiden Einsiedler ihre Zellen. Mit glühendem Eifer wid-
meten sie sich dem beschaulichen Leben durch Gebeth und heilige Be-
trachtung, und übten sehr strenge Abtödtung durch Fasten, Wachen
und andere Arten der Kreuzigung des Fleisches. Einer entflammte
den andern in heiligem Wettkampfc nach der höchsten Stufe geisti-
ger Vollkommenheit.
Unter den Bisthümcrn, welche der König Stephan i» Ungarn
errichtete, war auch das ;u Ehanad, an der Marasch, in der Ge-
spanschaft gleichen Namens. Der König zog den heiligen Gerardus
aus seiner Einsamkeit hervor, und setzte ihn diesem Bisthume als
ersten Bischof vor. In diesem erhabenen Berufe zeichnete Gerard
wahrend der ganzen Zeit seiner heiligen Amtsverwaltung sich durch
jene Weisheit und jenen Eifer aus, wodurch wahre Jünger Jesu
mit dem Beistande der göttlichen Gnade so herrliche Früchte im
Weinberge des Herrn hervorbringen. Mit dem Eifer und mit der
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen