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Am 24. September. 353
eingedrungcne König Ovo ließ am Anfange der Fasten des Jahres
1042 viele von denjenigen ermorden, die er für Anhänger des ver-
triebenen Königs und für seine Gegner hielt, und kam dann zu
Ostern in die Stadt Chanad, um sich da feierlich krönen zu lassen.
Die vornehmsten Hofbedientcn und einige Bischöfe waren um ihn
versammelt. Der Bischof von Chanad, der heilige Gerard, wurde
eingeladen, dem Ovo die Krone aufzusetzen. Dieser aber weigerte
sich, es zu thun. Die andern Bischöfe nahmen deßhalb ohne ihn
die Krönung vor. Gekrönt ging Ovo in Begleitung der Hofleute,
einiger Bischöfe und Priester und vielen Volkes, in die Kathedral-
kirche. Als der heilige Gerardus ihn erblickte, trat er öffentlich auf,
und sprach: „Die Fastenzeit soll nach ihrer ursprünglichen Einrich-
tung seyn eine Zeit der Versöhnung der Sünden und des Verdien-
stes der Gerechten. Du aber hast diese heilige Zeit entehrt durch
Blutvergießen. Meiner geistlichen Kinder hast du mich beraubt,
und dadurch auch des süßen Vaternamens. Du bist deßhalb un-
würdig, am heutigen Tage die Versöhnung zu erlangen. Ich fürchte
mich nicht, für Jesus Christus zu sterben, daher will ich dir uner-
schrocken voraussagen, was dir begegnen werde: Im dritten Jahre
deiner Regierung wird das Racheschwert dich erreichen, du wirst
das Reich, das du durch Gewalt und Betrug an dich gerissen hast,
zugleich mit deinem Leben verlieren." Dieß sprach der Bischof in
der lateinischen Sprache, und ein anderer sollte sie dem Könige,
weil er derselben unkundig war, in die ungarische dolmetschen. Ei-
nig? von der Umgebung des Königs winkten dem Dolmetscher zu,
daß er die freimüthige Rede des Bischofs dem Könige nicht vor-
tragen solle, weil sie besorgten, daß dieser in Erbitterung gegen den
heiligen Mann versetzt werde. Der Dolmetscher hörte auf zu spre-
chen; Gerardus aber rief ihm zu: „Fürchte Gott, und nicht die
Menschen, ehre den König, verbirg ihm aber nicht die Worte des
geistlichen Vaters." Der Dolmetscher gehorchte. Der Erfolg zeigte,
daß der heilige Gerardus erfüllt mit prophetischem Geiste zum Kö-
nige gesprochen hatte. Ovo überzog den deutschen König Heinrich,
weil er den von ihm vertriebenen Petrus aufgenommen hatte, mit
Krieg, siel im Jahre 1042 in Bayern ein, und richtete große Ver-
heerungen an. Nach einem zweijährigen Kriege, in welchem mit
abwechselndem Glücke gefochten ward, erhielt der deutsche König die
Oberhand, siel in Ungarn ein, schlug das viel zahlreichere Heer des
Ovo, und setzte den Petrus auf den wieder erlangten ungarischen
Thron. Ouo wurde bald darauf gefangen und enthauptet.
Eben so genau ging in Erfüllung die Weissagung des heiligen
Gerardus, daß ein großer Aufruhr in Ungarn entstehen, und er
selbst in demselben die Marterkrone erlangen werde. Wenige Mo:
Zweiter Band. 23
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen