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Der heilige Leo IX., Papst.
(Am 19. Februar.)
In dem zweiten Viertel des elften Jahrhunderts ward der
Stuhl des heiligen Petrus wie mit einer schwarzen Wolke umhüllt,
und dadurch die Kirche des Sohnes Gottes in die bedauernswür-
digste Lage versetzt. Fünf und zwanzig Jahre lang wurden, theils
durch die große Gewalt der toskanischen Grafen, theils durch Be:
stechungen Männer auf den päpstlichen Sitz erhoben, welche des hei-
ligen Amtes ganz unwürdig waren, und die hohe Würde desselben
durch viele und große Ausschweifungen besteckten. Endlich gelangte
zur höchsten kirchlichen Würde der heilige Leo, ein Mann, der, wie
die unbewölkte Sonne, nach dem schweren Gewittersturme leuchtete.
Leo hatte uor seiner Erhebung zur päpstlichen Würde den Namen
Bruno. Er wurde geboren am 21. Juni 1002 im Elsaß. Sein
Vater Hugo war ein Graf von Dagsburg, und nahe verwandt mit
Konrad, der am 8. September 1024 zum deutschen Könige erwählt,
und im Jahre 1027 in Rom zum Kaiser gekrönt wurde. Seine
Mutter hieß Helwid, und war ebenfalls von sehr vornehmen Ge:
schlechte. Beide, Hugo und Helwid, verschafften ihrer hohen Ab-
kunft den herrlichsten Glanz durch große Tugenden. Mit frommer
Elternsorge übergaben sie ihr Kind, dessen künftige Größe schon
vor seiner Geburt ihnen angedeutet ward, als es erst fünf Jahre
alt war, dem Bertholdus, Bischof von Tüll in Lothringen, damit
er die Erziehung und den Unterricht desselben leite. Der Knabe
entsprach auf die vollkommenste Weise den guten Absichten seiner
Eltern, den Erwartungen des edlen Bischofes, und den Bemühun-
gen der eifrigen Lehrer. Ausgerüstet mit den vortrefflichsten Gaben
des Verstandes und des Gemüthes, wandelte er schnellen Schrittes
vorwärts auf der Bahn der Wissenschaften und der Tugend. Mit
großer Sorgfalt bewahrte er die Reinigkeit seines Herzens, und übte
in dieser Absicht viele Werke strenger Abtödtung des Fleisches. Je-
dermann bewunderte die glänzenden Vorzüge des gottesfürchtigen
Jünglings; er allein kannte sie nicht, weil er in seinem Gemüthe
das Gefühl tiefer Demuth bewahrte.
Bertholdus, der Bischof zu Tüll, starb, und ihm folgte im
heiligen Amte Herimanus, welcher dem hoffnungsvollen Bruno große
Aufmerksamkeit schenkte, und ihn zum unermüdcten Fortschreiten in
der christlichen Vollkommenheit, und in jeder Gattung der Wissen-
schaften, insbesondere der geistlichen, ermuntere. Auch diesem Bi-
schöfe, wie dem verstorbenen Bertholdus, bewies Bruno ehrerbiethi-
gen Gehorsam, und eine wahrhaft kindliche Liebe. Auf Veranlassung
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Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen