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356 Der heilige Leo IX., Papst.
seiner Eltern und Anverwandten kam er nach einiger Zeit an den
Hof des Kaisers Konrad. Da erregte die herrliche Ausbildung sei:
nes Verstandes und seines Herzens, verbunden mit einer ausnehmen-
den Wohlgestalt des Körpers, die allgemeine Bewunderung. Nie-
mand konnte seine aufrichtige Hochachtung dem jungen Manne ver-
sagen, der durch Bescheidenheit, durch seine Gottesfurcht nnd durch
seinen unschuldsvollen Wandel, ohne es selbst zu wollen, oder auch
nur zu wissen, als ein helles Licht leuchtete. Der Kaiser und die
Kaiserin wurden für ihn so sehr eingenommen, daß sie ihn in den
wichtigsten Angelegenheiten zu ihrem Vertrauten machten, und mit
allem Ernste darauf bedacht waren, zu hohen Würden ihn zu erhe:
bcn. Dagegen aber sträubte sich sein dcmüthiger Sinn, er bekarrte
bei dem schon gefaßten Entschlüsse, auf einer niedern Stufe seinen
Dienst der Kirche zu widmen; nicht ahnend, daß an ihm schon hie-
nieden in Erfüllung gehen werde das Wort des Herrn: „Wer sich
erniedriget, wird erhöhet werden/' Er empfing die niedern Weihun-
gen und das Diakonat.
In der Fasten des Jahres 1026 stalb der Bischof Hcrimanus
auf einem Landgute unweit Köln. Die Geistlichkeit und das Volk
verlangten einstimmig den Bruno zu dessen Nachfolger. Bruno
empfing die bischöfliche Weihe von Popo, dem Erzbischofe von Trier.
Mit heiligem Eifer fing er an zu bearbeiten den Weinberg, den der
Herr ihm anvertraut hatte, seiner geliebten Heerde sich darstellend
als ein lauteres Vorbild des lebendigen Glaubens, des uncrschütter-
lichcn Vertrauens, der brünstigen ^'iebe, der Sanftmuth, der Geduld
und ungeheuchelten Demuth. Bei seinem Gebethe und bei der Ent-
richtung des hochheiligen Opfers vergoß er fast immer Thränen
heißer Inbrunst und reumüthiger Zevtnn'schuna,. Seine Wohlthätig-
keit gegen die Armen, gegen Kirchen und Klöster war so groß, daß
er nicht selten von allem sich entblößte, lind selbst Mangel litt.
Kaiser Heinrich I I I . beeiferte sich sehr für das Wohl der hei-
ligen Kirche, und insbesondere auch dafür, daß Unwürdige von dem
päpstlichen Stuhle entfernt blieben. Er ging aber in diesem Eifer
zu weit, indem er auf die Papstwahl einen Einfluß sich anmaßte,
welcher weltlichen Machthabern nicht gebührt. Ohne seine Einwilli:
gung sollte nicht zur Wahl eines Papstes geschritten werden. Er
berief in dieser Angelegenheit einen Reichstag nach Worms, und
schlug da den Bruno zum Papste vor. Die römischen Abgeordne-
ten stimmten freudig diesem Vorschlage bei, weil ihnen die großen
Verdienste Brunos bekannt waren, baten den Kaiser, diesen nach
Rom zu schicken, damit er dort auf ordnungsmäßige Weise gewählt,
oder wenigstens die kaiserliche Ernennung bestätiget werde. Der
demüthige Bruno, jetzt sechs und vierzig Jahre alt, ward über den
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen