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Der heilige Bruno, Drdensstifter.
(Am L. Oktober.)
Dcr heilige Bruno stammte aus einer adeligen Familie ab und
wurde geboren zu Köln, zwischen den Jahren 10^» und 1040.
Die erste Erziehung erhielt er in dem Hause seiner Eltern und in
den Schulen seiner Vaterstadt. Beglückt mit ausgezeichneten Gei-
stesgaben blühte der zarte Knabe, wie die Frühlingörose, lieblich
empor, und ward, insbesondere durch seine kindliche Gottesfurcht
und durch seine Frömmigkeit, zum reizenden Vorbilde seiner Alters:
und Schulgenossen. Er war aus den Knabcnjahrcn kaum ausgetre-
ten , als er nach Rheims in Frankreich zur Erlernung dcr lateini-
schen Sprache und der Dichtkunst gebracht wurde. Von Rheims
verfügte er sich nach Tours, wo er unter Leitung des berühmten
Berengars die Weltwciöheit studirte. ,
Der Ruhm, welchen Bruno zu Rheims erlangt hatte, bewog
den Erzbischof Gervasius, ihn um das Jahr 1050 als Lehrer zu
der dortigen Schule zu berufen. Nachdem Hermann, unter dessen
Aufsicht und Leitung die Schulen zu Rheims standen, in's Kloster
sich zurückgezogen hatte, wurde dem Bruno das so wichtige als
schwere Amt der Oberaufsicht übertragen. Ueberdieß ward er zum
Kanonikus dcr Kirche zu Rheims, und endlich um das Jahr 107^
zum Kanzler des erzbischöflichen Consistoriums bestellt. Als Lehrer
ließ er sich mit gleichem Eifer die Bildung des Verstandes, und
die Veredlung des Herzens seiner Schüler angelegen seyn, in der
vollkommensten Ueberzeugung, daß jene ohne diese nur bittere Früchte
des Verderbens hervorbringe. Durch väterliche Liebe zog er die
Herzen seiner Zöglinge an sich. Mit sorgfältiger Hand streute er
den Samen der Gottesfurcht, die da ist der Anfang der Weisheit,
in dieselben aus. Mit wachsamer Treue förderte er Gedeihen durch
liebevolle Ermahnungen und ernste Warnungen, mehr aber noch
durch das Vorbild des eigenen lautern Sinnes und frommen Wan-
dels. Die Geschichte hat uns die Namen mehrerer durch Weisheit
und Tugend ausgezeichneter Männer aufbewahrt, deren Glanz und
Ruhm auf ihren Lehrer Bruno zurückfallt. Ich will hier nur des
Odo erwähnen, der unter dem Namen Urban l l . im Jahre 1088
den päpstlichen Stuhl bestiegen hat.
Im Jahre 1067 starb Gervasius, der Erzbischof zu Rheims.
An seine Stelle kam Manasses, ein Mann, welcher den Adel seiner
Abstammung durch ein sehr unedles Gemüth brandmarkte. Nicht
durch die Thüre ging er ein in den Schafstall Jesu Christi, sondern
durch das Fenster schlich er sich in denselben. Nicht durch regel-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen