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390 Der heilig Bruno, Ordensstifter.
des Karthäuscr-Ordcns, welcher von der Wüste .^hartause- (!.-,
Clillilll'»^^) den Namen angenommen hat.
Es ist schwer, das strenge Leben zu beschreiben, welches Bruno
mit seinen Genossen in der Einsamkeit geführt hat. Sie verbanden
sich zu einem beständigen Stillschweigen. Alle ihre Unterredung war
nur mit Gott. Einen Theil der Zeit wandttn sie an zum Gebethe,
zur Betrachtung, und zum Psalmgesange, den andern z» verschiede-
nen, körperliche» Arbeiten, durch welche sie i!,ren Unterhalt sich ver-
schafften. Sie kasteieten sehr strenge ihren Leib durch Wachen, Fa-
sten und andere Abtodtungcn. Sie enthielte» sich ganz vom Fleische,
und genossen auch sonst nur schlechte Speisen. Beständig trugen
sie ein Bußgcwand, und hatten zur Liegerstatte den harten Boden.
Bruno wurde von de» Ander» als Vorgesetzter verehrt. Er hatte
vier oder fünf Jahre in der Larthause zugebracht, als cr nach Rom
berufen wurde von dem Papst Mdan II. , der seinem ehemaligen
Lehrer durch ehrenvolle Auszeichnung eine» Beweis seiner grofie»
Hochschätzung geben, und dessen Ratlies in de» schwelen kirchlichen
'Angelegenheiten sich bedienen wollte. Brunos Gefährten wurden
über den nahen Verlust ihres geliebten Meisters in die tiefste Be-
trübniß versetzt. Vergebens wandte dieser Alles an, sie zu beruhi-
gen, weßwegcn er endlich einwilligte, daß sie ihn nach Rom beglei-
ten dürfen. Er übergab die Carthause der Obsorge des Abtes zu
la Ehaisc Dieu, und trat im März des Jahres 1090 die Reise
nach Italien an. In Rom wurde cr von dem Papste mit der
zärtlichsten Liebe aufgenommen und behandelt. Urban schenkte ihm
sein ganzes Vertrauen, und zog ihn »ei alle» kirchliche» Angelegen-
heiten zu Rathe. Eben so liebevoll ward auch gesorgt für Brunos
Gefährten. Sehr bald sehnten sich aber die frommen Männer in
ihre Einsiedelei wieder zurück, weil sie in der geräuschvollen Stadt
durch vielfältige Besuche und manches Andere, in ihrer Lebensweise,
die sie, wie in der Carthause beobachten wollten, gestört wurden.
Sie flehten inständig, daß der Papst sie entlasse. Allein dieser
konnte sich nicht entschließen, von seinem hochverehrten Bruno sich
zu trennen, wohl aber gestattete cr die Rückreise der Gefährten des-
selben. Bruno ernannte an seine Stelle den Landwin zu ihrem
Prior, schrieb ihretwegen an den Abt zu la Lhaisc Dieu, und ent-
ließ sie nach vielen väterlichen Ermahnungen, unter thränerwollem
Abschiede aus Rom. Sie kehrten nach Gallien zurück, und wurden
von dem vorerwähnten Abte in Gegenwart dcs Bischofs Hugo von
Grenoble und dcs Erzbischofs Hugo von Lyon in den Besitz ihrer
ersten Wohnung eingesetzt. Bruno fuhr fort, ihnen Rath, Er-
munterung und Trost zu ertheilen in Briefen, mit denen er sie oft
erfreute.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen