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Am 1»'. Juni. 395
Im Jahre 1W6 empfing demnach Bcnno von Werner, dem
Erzbischofe zu Magdeburg, die bischöfliche Weihe, und verfügte sich
dann ohne Verzug nach Meißen, wo er mit großem Jubel empfan-
gen , und in die bischöfliche Kirche eingeführt wurde. Da hielt er
an die versammelte Geistlichkeit und an das Volk eine rührende
Rede, an deren Schluß er unter Thränen mit großer Inbrunst zu
Gott flehte, daß er ihn mit seiner Gnade kräftigen, seine und seiner
Geistlichkeit Bemühungen segnen, alle durch die christliche Religion
heiligen, und alle selig machen wolle. Noch mehr, als zuvor,
leuchteten jetzt die glänzenden Vorzüge dcö heiligen Benno, weil er
auf die Höhe gestellt war. Die Vorschriften des Evangeliums wa-
ren in Allem seine Richtschnur, von der er nicht abwich, weder zur
Rechten noch zur Linken. Sein Wandel war der lebendige Abdruck
der heiligen Lehre, die er mit großem Eiser verkündigte.
Im Bezirke des Bisthums Meisten und dessen Angränzungen
dieß und jenseits der Elbe wolxtten viele Slaven, welche nicht lange
vorher, als Bcnno den bisM'flicken Stulil zu Meißen bestiegen
hatte, von dem Kaiser Heinrich l l ! . zmobar gemacht, und zur An-
nahme der christlichen Religion mehr durch Zwang, als durch Ue-
berzeugung bewogen worden waren. Die Meisten derselben kehrten
sehr bald zum Heidenthume wieder zurück. Benno nahm die Ver-
blendung dieser bedaurungowürdigcn Menschen tief zu Herzen, und
faßte daher den Entschluß, nicht zu ruhen, bis er sie der Finsterniß
entrissen, und mit der beseligenden Lehre des Evangeliums beglückt
habe. Viele schon hatte er durch sanfte Belehrung für die christ-
liche Religion gewonnen, als auf einmal gegen ihn selbst sich ein
Sturm erhob, der ihn nöthigte, von dem gottseligen Werke abzu-
stehen. Zwischen dem Kaiser Heinrich und den Sachsen brach im
Jahre 1N75 ein blutiger Krieg aus. Venno hielt sich ruhig zu
Meißen an Sachsens und Böhmens Glänze, und pflegte seines hei-
ligen Amtes, ohne einigen Antheil zu nehmen an den stürmischen
Bewegungen des Kriegs. Aber gerade das wurde ihm von Hein-
rich zum Majestätsverbrechen angerechnet. Weil er weder durch
Briefe, noch durch Gesandte, noch durch Hilfstruppcn Theilnahme
an des Kaisers Sache bewiesen hatte, und >noch vielmehr darum,
weil er ein gebürtiger Sachse war, ward der Verdacht der Untreue
auf ihn geworfen. Durch Böhmen rückten unvermuthet kaiserliche
Kricgslcute in Meißen ein, führten den frommen Bischof gefangen
mit sich fort, und zerstörten die bischöfliche Kirche. Diese an Benno
verübte Gewaltthätigkeit war um so größer, da der Kaiser leicht
wissen konnte, daß der Bischof, weil freiwillig arm durch seine
Wohlthätigkeit, und entblößt von irdischer Gewalt, dem Freunde
und dem Feinde weder viel nützen, noch schaden könne. Heinrich
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen