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Am 21'. April. 401
wurde der König alsbald von einer Krankheit befallen, die täglich
zunahm und bald ihm den nahen Tod drohte. Die Vornehmsten
des Reiches und die Bischöfe kamen zu ihm nach Glocester, wo er
lag, und baten ihn flehentlich, daß er für das Heil seiner Seele
sorge, und deßhalb die, welche wegen Unvermögen, die geforderten
Abgaben zu entrichten, gefangen säßen, entlasse', den Kirchen
und Klöstern die vorige Freiheit, und ihr Eigenthum zurückstelle,
und die bischöflichen Stühle, insbesondere den zu Canterburi, besetzen
lasse. Auch Anselm wurde nach Gloccster berufen. Er macht«
dem Kranken die nämlichen Vorstellungen, und bewog ihn endlich
zu einer reumüthigcn Beicht, und zu dem feierlichen Versprechen,
Alles zu thun, was das Heil seiner Seele erfordere. Alle Anwe-
senden priesen Gott, und flehten zu ihm um die Genesung des Kö-
nigs. Sogleich wurde nun über die Besetzung des Erzbisthums
Canterburi berathschlagt. Der König nannte zuerst den Anselm.
Alle andern stimmten ihm bei. Der Abt erschrack heftig, fing an
zu bitten und zu flehen, daß er mit der Würde des erzbischösiichen
Amtes verschont werde, stellte vor seine Untüchtigkeit, sein hohes
Alter, die Verpflichtungen gegen seinen eigenen Landesherr« , gegen
seinen Bischof, und gegen sein Kloster u. s. w. Die Wahl des
heiligen Anselm zum Erzbischof geschah am 6. März 1093, sein
Einzug zu Canterburi, nachdem die Einstimmung des Herzogs der
Normandie, des Bischofs von Rouen, und der Mönche zu Bec er-
folgt war, am 15. September, und seine feierliche Consecration am
4. December des nämlichen Jahres.
Dem rechtmäßigen Papst Urban I I . war von dem Kaijer Hein-
rich IV. ein gewisser Guibert als Papst entgegen gestellt. Der
heilige Anselm erklärte seine feste Anhänglichkeit an das rechtmäßige
kirchliche Oberhaupt, und seinen Gehorsam gegen dasselbe. Da-
durch ward er mit dem Könige, der keine Gewalt eines auswärti-
gen kirchlichen Oberhauptes in seinem Reiche anerkennen wollte, und
zum Theile auch mit den Bischöfen und den übrigen Geistlichen,
deren viele zu feige waren, den frevelhaften Unternehmungen des
Königs sich standhast entgegenzustellen, oder Beschränkungen ihrer
bisherigen Verhältnisse befürchteten, in schwere und langwierige
Kämpfe verwickelt, während derer er unzählige Kränkungen und große
Drangsale erdulden mußte. Diese Kämpfe und diese Drangsale
dauerten einigermaßen noch fort, in den ersten Jahren der Regie-
rung Heinrichs, welcher seinem, im Jahre 1100 auf der Jagd gä-
hen Todes verblichenen Bruder Wilhelm, auf dem englischen Throne
folgte. Auch Heinrich verweigerte den Kirchen und Klöstern die
Wahlfreiheit.
Zweiter Vant, 26
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen