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Am 10. Mai. 405
segnet hadcn, daß die Erndtc auf seinen Gütern eben so gut, ja
vielleicht noch besser, als auf den andern ausfallen werde. Und so
geschah es auch. Gott, der den Saamcn durch seine Allmacht ver-
vielfältiget nach seinem Wohlgefallen, und nach dem Verdienste sei-
ner getreuen Knechte, segnete die Felder, welche Isidor gebaut hatte,
so sehr, daß er eine viel reichlichere Erndtc einbrachte, als die be-
nachbarten Landleute. Der Herr verwunderte sich darüber, erkannte
den besondern Schutz, den Gott seinem getreuen Diener angedeihen
ließ, bat ihm die gemachten Vorwürfe ab, und bewies ihm von
nun an große Liebe und Verehrung. Je eifriger Isidor in der
Frühe, bevor er an die Arbeit ging, der Andacht pflegte, desto mu-
thigcr, aufmerksamer und fleißiger verrichtete er die Tagesgeschäfte,
die dann immer auch besser ausfielen, als die seiner Nachbarn, welche
meinten, Vieles zu versäumen, wenn sie einige Zeit dem Gebethe
widmen würden.
Ungeachtet er und stinc Familie nur von dem Erwerbe der
täglichen Arbeit leben mußten, so theilte er doch Vieles den Armen
mit, gegen die er sehr mitleidig war. Oft beraubte er sich des
Nothwendigen, um ihr Elend zu erleichtern. Diese wohlthätige Liebe
belohnte Gott nicht selten dadurch, daß er das Brod, und was Isi-
dor sonst den Nothleidcnden gab, auf wunderbare Weise vermehrte.
Selbst die Thiere schloß der gute Mann von seinem Mitleiden nicht
aus. Als er einst zur Winterszeit, da die Erde mit Schnee bedeckt
war, mit Getreid in die Mühle ging, sah er einige Vögel, die
ängstlich Nahrung suchten, und keine fanden. Sogleich schaffte er
den Schnee von der Stelle, öffnete dann seinen Sack, und warf den
hungrigen Thierchcn Getreid vor, bis sie gesättiget waren. Ein an-
derer Bauer, der ihn begleitete, spottete über sein Mitleiden und
über seine Freigebigkeit; überzeugte sich aber hernach zu seinem gro-
ßen Erstaunen, daß Istdor das Wohlgefallen Gottes dafür erlangt
habe, indem er aus diesem Getreide ungleich mehr Mehl erhielt, als
andere Male von gleichem Maaße.
Wollte doch dieses Beispiel von Jedermann, besonders aber
von denen beherziget werden, die oft so hart und grausam mit den
vernunftlosen Thieren verfahren. Gott hat die Thiere der Herr-
schaft des Menschen übergeben, daß dieser sie zu seinem Dienste ver?
nünftig brauche, nicht aber plage und quäle, und dahcr schon im
alten Bunde den Israeliten alle Grausamkeit gegen die Thiere ver-
boten, und ein ausdrückliches Gesetz gemacht, daß sie einem Ochsen
oder Esel, den sie unter Wegs unter der Last erliegen sahen, auf-
helfen, und ein solches verirrtes Thier seinem Herrn heimtreiben soll-
ten. Wenn man vernünftig seyn sollende Menschen auf das unver-
nünftige Vieh unmenschlich und grausam zuschlagen sieht, und dann
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen