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408 Der heilige Gottftied, Bischof von Amiens.
gen, faßten der Erzbischof von Rheims und der Bischof von Laon,
in Uebereinstimmung mit Andern, den Entschluß, derselben als Abt
vorzusetzen den Gottfried, dessen ausgezeichnete Vorzüge ihnen be-
kannt waren. Der demüthige Mönch weigerte sich, die Würde an:
zunehmen. Seine Weigerung war aber ohne Erfolg. Er mufttc
dem Rufe folgen. In tiefer Trauer verließ er das Kloster St.
Quentin, und nahm Abschied unter vielen Thränen von den Brü-
dern und von dem Abte, der seinen Verlust schmerzlich dcdan^tt,
weil er an ihm eine kräftige Stütze seines Alters verlor, und zu
seinem Nachfolger ihn bestimmt hatte.
Gottftied fand das Kloster zu Nogent in dem schlechtesten Zu-
stande. Es waren nur noch sechs Mönche in demselben —- ihrer
Willkühr überlassen, ohne Aufsicht und ohne Zucht. Die Mauern
des Klosters waren verfallen, und die kargen Einkünfte desselben in
großer Unordnung. Den innern und den äußern Verhältnissen des
Klosters mußte eine neue Schöpfung werde». Gottfried legte, ver-
trauend auf Gott, und auf gutgesinnte Menschen, Hand an das
Werk, und brachte es bald so vollkommen zu Stande, daß das
Kloster zu Nogent zu den vorzüglichsten gehörte. Die Zahl der
Mönche vermehrte sich, und selbst zwei Aebte verließen ihre Klöster,
um sich der liebevollen und weisen Leitung Gottfrieds zu übergeben,
und an dessen hoher Vollkommenheit sich zu erbauen. Neben dem
Kloster stellte der fromme Abt ein Gebäude her, zur Aufnahme der
Armen und Kranken, die er täglich besuchte, mit eigener Hand
pflegte, und mit allem Nothwendigen versorgte. Er ließ immer ge-
nügende und gute Speisen im Kloster aufsetzen; genoß aber selbst
selten etwas mehr, als Kräuter und Früchte. Seinem Beispiele
folgten die andern Religiösen, und die bessern Speisen wurden im-
mer den Armen und Kranken gebracht. Er wandelte unter seinen
Brüdern in tiefer Demuth, als wäre er der geringste unter ihnen,
und gerade dadurch erlangte er die Liebe Aller, und ihre aufrichtigste
Verehrung. In seinem eigenen Vorbilde fand er das vorzüglichste
Mittel, den guten Geist in seinem Kloster zu wecken und zu erhal-
ten. Es wurden ihm ansehnlichere und reichere Abteien, als die zu
Nogent war, angetragen, er aber verweigerte sie mit den Worten:
.)Es sey ferne von mir, daß ich gegen die vom Kirchenrathe zu Ni-
cäa gemachte Satzung handle, und meine ärmere Braut mit einer
reichern vertausch?."
Im Jahre 1104 verließ Geruin, der Bischof zu Amiens, seine
Kirche. In dem ganzen Bisthume wurden Gebethe und Fasten an-
geordnet, um von Gott eine glückliche Wahl des neuen Hirten zu
erstehen. Die Wahl siel einstimmig auf Gottftied, den Abt zu No-
gent, dessen Ruhm weit umher verbreitet war. Der König Philipp
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen