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Am i. April. 41 l
Darauf widmcte er siä) den Wissenschaften mit eincm Erfolge, der
allgemein bewundert wurde. Noch größer war jedoch der Glanz
seiner Gottesfurcht. Liebenswürdige Bescheidenheit, tiefe Demuth,
und strenge Enthaltsamkeit von jedcr Befriedigung der Sinne, welche
seiner Unschuld hatte gefährlich werden können, leuchteten unter sei-
nen Tugenden vorzugsweise hervor. Hugo, der päpstliche Legat,
und nachher Erzbischof zu Lyon kam in Geschäften nach Valence,
ward da aufmerksam auf die Vorzüge des jungen Mannes, der auch
durch leibliche Wohlgestalt ausgezeichnet war, gewann ihn lieb, und
behielt ihn endlich ganz bei sich.
Im Jahre 1080 wurde zu Avignon eine Kirchenversammlung
gehalten unter dem Vorsitze des Legaten Hugo, der sich von unse-
rem Hugo, dessen Weisheit und Eifer er in vielen Geschäften schon
erprobt hatte, dahin begleiten ließ. Bei der Versammlung erschie-
nen Abgeordnete der Kirche zu Grcnoblc, deren bischöflicher Sitz er-
lediget war, und baten, daß Hugo ihnen zum Bischöfe gegeben
werde. Der päpstliche Legat stimmte dieser Bitte bei, frohlockend
über das Heil, welches den verwaisten Kirchen durch einen solchen
Hirten zu Theil werden sollte. Der junge Hugo aber erzitterte,
als er von seiner Beförderung hörte. Er flehte unter vielen Thrä-
nen , daß die schwere Bürde des bischöflichen Amtes auf stärkere
Schultern geladen werde. Mit hoher Bcrcdtsamkcit, aber auch mit
tiefer Wehmuth stellte er sein junges Alter vor, seinen weltlichen
Stand, und seine Unfähigkeit zu der so schweren bischöflichen Amts-
vcrwaltung, ja sogar zählte er alle seine Fehler auf, um den päpst-
lichen Legaten sowohl, als die Abgeordneten von Grcnoble zu über-
zeugen, daß er des heiligen Amtes nicht würdig sey. Er beschwor
sie endlich, die erhabene Bischofswürde nicht zu entehren durch Er-
hebung eines Mannes, welcher derselben ganz unwürdig seh. Die-
ses Gefühl tiefer Demuth bewahrte der fromme Hugo bis zum
Tode; indem er fortwährend scine Untüchtigkeit zum heiligen Amte
bitter beklagte, und deßhalb dasselbe niederlegen wollte. Das Zu-
reden des Legaten war so nachdrücklich, und das Flehen der Abge-
ordneten so anhaltend und dringend, daß der Neugcwählte denselben
endlich nachgab, und sich nun mit großem Eifer zu dem Empfange
der heiligen Weihen vorbereitete. Es stießen ihm jedoch noch sehr
wichtige Bedcnklichkciten auf, die den päpstlichen Legaten Hugo be-
wogc», ihn mit sich nach Rom zu nehmen, auf daß dieselben von
dem Papste selbst gclösct würden. Es geschah, und Hugo empfing
zu Rom die heiligen Weihen, als er erst sieben und zwanzig Jahre
alt war. Wenige Jahre darauf kam der Ordensstifter Bruno zu
ihm, dcn er, wie wir in der Geschichte dieses Heiligen gehört ha-
ben, in die Carthaust führte, und bei Einrichtung der Einsiedelei
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen