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412 Der heilige Hugo, Bischof zu Grenoble.
nach Kräften unterstützte. Diesem gottseligen Ordcnsmann schenkte
er sein ganzes Vertrauen. Er wählte ihn zu seinem Gewissensrathe,
besuchte ihn oft in der Earthause, und verweilte da in gottseliger
Unterhaltung mehrmal so lange, bis er von ihm die Erinnerung
erhielt, daß es nun wieder Zeit sey, zu seiner Hecrdc zurück zu
kehren.
Seine Predigten waren ohne rednerischen Glanz, aber verstand:
lich und rührend. Sie trafen immer das Herz um so tiefer, weil
sein Wandel mit seiner Lehre übereinstimmte. Der Abt des Klosters
St. Theofrcd erzählt als Augenzeuge, die Zuhörer seyen durch eine
Predigt, welche Hugo zu Vinai hielt, so sehr gerührt worden, daß
die meisten derselben in Thränen und laute Seufzer der Buße aus:
gebrochen seyen, zwci Frauenspersonen vor dem ganzen Volke ihre
Vcrgchungen, die eine auch den Mord ihres Mannes, öffentlich be-
kannt haben, und der Zulauf derer, die dem heiligen Manne ihr
Sündcnbckcnntniß ablegen wollten, so groß gewesen sey, daß es
ihm bei der ausharrendstcn Geduld nicht möglich war, alle zu be-
friedigen.
Bei allem dem hielt sich der demüthige Hugo für Gottes un-
nützen Knecht, unwürdig der hohen Würde, die er begleitete, unfä:
hig zum heiligen Amte, das er doch so ruhmvoll verwaltete. Er
sah nicht auf das, was er auf der Bahn der Vollkommenheit schon
errungen hatte, sondern nur auf das, was ihm noch mangelte.
Als er alt und kraftlos zu werden anfing, erneute sich in seinem
Gemüthe wieder der Entschluß, das Bisthum niederzulegen, und in
der Einsamkeit sich einzig der Vervollkommnung seiner selbst zu wid-
men. Er schickte Abgeordnete nach Rom, welche von dem Papste
Honorius die Einwilligung dazu erbitten sollten; und als diese un:
verrichteter Dinge zurückkamen, reiste er in gleicher Absicht selbst
dahin. Honorius bewies ihm große Verehrung, erhörte aber nicht
seine Bitte, sondern kräftigte ihn durch liebevolle Ermunterung und
durch väterlichen Trost.
Die letzte Krankheit des heiligen Hugo war langwierig und
schmerzlich. Die Kopf- und Magenschmerzcn, die er seit vielen Jah-
ren schon gelitten hatte, vermehrten sich, und allmählig trat eine
gänzliche Entkräftung ein. Da zeigte sich ein gottseliger Sinn im
schönsten Glänze durch standhafte Geduld, durch vollkommene Erge-
bung in den Willen Gottes, durch fromme Zuversicht, und durch
ausdauernde Liebe. Sein Gedächtniß litt auf eine wunderbare Weise.
Das Bewußtseyn der irdischen Dinge verlor er ganz, für geistliche
Gegenstände schien es aber besser, als vorher zu seyn. Alle Psal-
men, und sehr viele Kirchengcbethc behielt er bis an's Ende in sei-
nem Gedächtnisse, und zeigte immer eine schnelle Gegenwart des
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen