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416 Der heilige Norbertus, Erzbischof von Magdeburg:c.
Wolle vertauschte, und bloßsüßig nach St. Gilles in Languedoc
wanderte, wo damals im Jahre 1118 der Papst Gelasius I I . sich
befand, um von ihm die apostolische Sendung, oder die Erlaubniß
zu erhalten, das Evangelium aller Orten predigen zu dürfen. Um-
sonst suchte Gelasius, gerührt und ergriffen von dessen edler Einfalt,
durch welche eine gleich hohe Frömmigkeit als Geisteskraft hindurch
schimmerte, ihn an seinem Hofe zu behalten. Norbert wollte es
nicht mehr wagen, in so vornehmen Umgebungen zu leben. Der
Papst bewilligte ihn, endlich, was er verlangte. Froh über die Er-
reichung seines Zweckes, trat Norbert den Rückweg an, wadete bar.-
fuß in tapferer Selbstverleugnung durch tiefen Schnee, nahm, den
Sonntag ausgenommen, täglich nur einmal, und da auch nur die
gemeinste Speise zu sich, und führte überhaupt ein Leben, das mit
seiner frühern Ueppigkeit im vollkommensten Widersprüche stand. So
wanderte er lehrend und ermahnend, dem großen Sämanne emsig
nachfolgend, durch Languedoc, Guicnne, Poitou und Orleans. Es
hatten a»f diesen Wanderungen drei Gefährten sich beigesellt, die
aber sämmtlich zu Walencicnnes erkrankten, und starben.
Wahrend Norbert deßhalb in dieser Stadt verweilen mußte,
ersetzte ihm die göttliche Vorsicht den Verlust, indem sie ihm den
ersten und wichtigsten Mitarbeiter in seinen Missionsgeschäften, und
den treuesten Gefährten zuführte. Burkhard, Bischof uon Cambrai,
kam zu Valenciennes an, und Norbert, noch vom kaiserlichen Hofe
aus mit ihm bekannt, fand es schicklich, ihn zu besuchen. Der Bi-
schof hatte ihn nach einigen Fragen kaum erkannt, als er ihm schon,
über solche Demuth verwundert, und tief bewegt, weinend um den
Hals fiel. „Norbert, Norbert!" rief er, „wer hätte jemals dieß
von dir erwartet?" Erstaunt sah Hugues, oder Hugo de Foffcs,
ein Mann, der in der Stille längst den Vorsatz, dem Weltleben zu
entsagen, gefaßt hatte, dem Bischöfe, seinem Herrn zu, wie er ei-
nem unscheinbaren und dürftigen Fremdling mit solcher Theilnahme
begegnete; denn ihre Unterredung, in deutscher Sprache gehalten,
konnte er nicht verstehen. Er nahte sich endlich dem Bischöfe, ihn
um Aufschluß darüber zu bitten. „Wohl," sprach der Bischof,
„der, den du hier in solch armseligen Stande siehst, war einst zu-
gleich mit mir am Hofe des Kaisers. Won hoher Geburt, und
vom Glücke begünstigt, stand er am Hofe in solchem Ansehen, daß
ich meinen bischöflichen Sitz eigentlich seiner großmüthigen Freund-
schaft verdanke." Auf Hugo machte dieser Aufschluß eine so ent-
scheidende Wirkung, daß er unverzüglich seinen Vorsatz in's Werk
zu setzen strebte. Er schloß sich an Norbert an, und blieb seitdem
dessen brüderlicher Begleiter, sowie er späterhin auch in Amt und
Würde sein Nachfolger ward.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen