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Am 2. Jul i . 425
Otto setzte jetzt die Verrichtungen des heiligen Amtes, die Aufsicht
über Priester und Klöster, die Sorge für die Kirchen und die Wohl:
thatigkcit gegen Nothleidende und Arme bei seiner Kirche mit ge-
wohnter T>,ätiqleit wieder fort. Es waren aber kaum drei Jahre
seit seiner Zurückkchr aus Pommern verflossen, als er die Kunde er:
hielt, daß dort viele voi: den Neubekehrtcn, besonders in den Städ-
ten Wollin und Stetin, in ihr altes Hcidcnthum wieder zurückge-
kehrt seyen. Sogleich trat er im Jahre 1127 oder 1128 eine
zweite Reise dahin an, aber auf einem ander» Wege, als das erstemal;
nämlich dun!, Sachsen, das Brandenburgische u. s. f. Er hatte
bei sich fünfzig Wage», die mit Gegenständen aller Art beladen wä-
re», mit welche» er Werke der Wohlthätigkeit üben, und Geschenke
machen wollte, um dadurch sich Eingang in die Herzen der Verirr-
ten zu verschaffen. Ueberall ließ er segensvollc Spuren seines apo-
stolische» Eifers und seiner Wohlthätigkeit zurück, indem er viele
neue Bekehrungen machte, viele Abgefallene zum heiligen Glauben
wieder zurückführte, viele Gefangene loskaufte, »nd unzählige andere
Werke der '^iebe verrichtete. Die Bewohner von Stetin und Wol-
lin, von denen die meisten früher Bekehrten zum Heidcnthume wie-
der zurückgekehrt waren, zeichneten sich vor allen andern durch ra-
sende Wuth gegen die christlichen Glaubensprediger aus. Deßwegen
weigerten sich Otto's Begleiter, dahin zu gehen, und auch ihn selbst
dahin gehen zu lassen. Der eifrige Bischof aber, der nach der
Marterkrone sich sehnte, sagte ihnen: „Ich zwinge Niemanden, mich
zu begleiten, sondern lasse Jeden gehen, wohin er wil l , verlange
aber, daß mir die nämliche Freiheit gelassen werde. Mitten in der
Nacht machle er sicd heimlich davon, und trat ganz allein den Weg
nach Steti» an. Die Begleiter, beschämt durch den muthvollcn Ei-
fer des heiligen Mannes, eilten des andern Tages ihm nach, und
erklärten unter Thränen, daß sie ihm auch in Marter und Tod fol-
gen wollten. In Stetin nahmen die Glaubcnsprediger ihre erste
Herberge in einer Kirche außer der Stadt. Die Götzenpricstcr hetz-
ten schnell die Abgötterer gegen sie auf. Die Kirche wurde umringt
von Bewaffneten, die mit wildem Geschrei jenen den Tod drohten.
Unerschrocken trat Otto vor sie hin, und hielt an sie eine rührende
Anrede. Sie erstaunten über den Muth des apostolischen Mannes
und seiner Begleiter, die alle mit freudigem Angcsichte den Tod er-
warteten. Die Wuth legte sich. Die Abgöttercr gingen zu den
Götzcnpricstern, und sagten ihnen, daß sie selbst ihr Hcidcnthum mit
Gründen, und nicht durch Feuer und Schwert vertheidigen sollten.
Otto sing nun, unterstützt von seinen Priestern, das Bckchrungsge-
schaft an, führte viele Abtrünnige zu Jesus Christus zurück, zerstörte
die Götzenbilder, und stellte die christlichen Kirchen wieder her, mußte
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen