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Am 20. August. 429
nur allein dem Seclenheile zu widmen. Er reiste ab, seinen Vater
und stine Brüder noch einmal zu besuchen. Diese hatten früher
schon sich bemüht, ihn von der Neigung zum geistlichen Leben abzu-
bringen , und ihn beinahe zum Wanken gebracht, weßhalb er auf
dem Wege zu ihnen sich in eine offene Kirche begab, und mit in-
brünstiger Andacht seinen Vorsatz in die Hände Gottes legte, der
ihn mit einer so lebendigen Glut erfüllte, daß er die geheiligte Stätte
mit keinem geringern Vorsatze verließ, als sie selbst alle für sein
großes Werk zu gewinnen.
Der von heiligem Eifer glühende Jüngling blieb nicht auf hal-
bem Wege stehen, sondern schritt rasch zur That. Wie eine leben-
dige Flamme griffen die Worte seines Mundes um sich, und dran-
gen gleich feurigen Pfeilen an die Herzen derjenigen, an die sie er-
gingen. Der erste, den er für sich gewann, war sein Oheim Gald-
rich, ein reicher und mächtiger Herr. Hierauf gesellte sich einer um
den andern seiner Brüder ihm bei, bis auf den jüngsten, der noch
ein kleiner Knabe war. Auch mehrere von den Freunden Bernards
wurden durch seine Bercdtsamkeit angezogen. So warb der vom
Eifer der heiligen Gottesliebe brennende Jüngling dem Herrn eine
Schaar getreuer Diener an, die alle entschlossen waren, dcm Einen,
was Noth ist, dem Seelenheile, sich zu widmen. So groß, so
durchdringend und rührend war Bernards Beredtsamkeit und die
Salbung der Gnade, die von seinen Lippen floß, und so anschaulich
zeigte er das Reich der Vergänglichkeit, daß Mütter ihre Söhne,
und junge Männer ihre Frauen vor ihm verbargen, da sie in Furcht
schwebten, sie möchten seine Worte zu Herzen nehmen, und die Welt
sammt ihren Lockungen fliehen. Der alte Teffelin, der Vater Ber-
nards , war höchlich über die Anstalten seiner Söhne verwundert;
doch stand er als ein schr christlicher Mann ihnen nicht entgegen,
sondern er mahnte sie nur, in ihrem Eifer nichts zu übertreiben,
und in ihren Bußübungen sich zn mäßige». Vielleicht ging schon
damals dcr Gedanke in ihm auf, den er wenige Jahre darauf aus-
führte, dem Beispiele seiner Söhne zu folgen, und bei ihnen sein
Leben zu beschließen. Ein Herz und Eine Seele war die kleine,
von Bernard gesammelte Heerde, welcher der Vater das Himmel-
reich geben wollte, und die er erwählt hatte, das Angesicht der
Erde zu erneuern; denn große und heilige Kirchenfürsten sollten aus
ihr l,ervorgchen. Weil manche aus ihnen noch zeitliche Geschäfte
abzuschließen hatten, bevor sie von der Welt sich gänzlich trennen
konnten, wohnten sie indessen in einem gemeinsam,'» Hause zu Cha-
tillon, woselbst sic ein halbes Jahr verblieben, um sich zu dem Or-
densstande vorzubereiten. Im Jahre 1l1,i traten sie, mehr als
dreißig an der Zahl, unter Bernards Anführung in das Kloster zu
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen