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Am 20. Auglist. 431
Der Abt Stephan erkannte bald den hohcn Werth dieses En-
gels in Menschengestalt, und da durch das Licht, das nun in dieser
Gemeinde leuchtete, sich in kurzer ^ i t viele angezogen fühlten, dem-
selben zu folgen, mid das Kloster sie nicht fassen konnte, beschloß
er, eine neue Brüdergemeinde zu errichten, und ernannte den Bcr-
nard, der kaum das Probejahr vollendet und sein vier und zwan-
zigstes Jahr erreicht hatte, zum Abte, und hieß ihn mit zwölf der
Brüder in eine furchtbare Wildniß ziehen, die sonst ein Aufenthalt
der Räuber gewesen war, und wegen des daselbst wild aufsprossen-
den Wermuths das dunkle Wermuthsthal genannt wurde. Darüber
erstaunten viele der ältern erfahrner» Mönche, die wegen Bernards
schwacher Gesundheit, seiner Jugend und seines Mangels an Erfah-
rung für ihn besorgt waren. Er aber, so tief begründet auch scine
Demuth war, sah in dem Befehle feines Vorgesetzten den Befehl
Gottes; nahm mit seinen Gefährte», unter denen auch seine Brü-
der waren, rührenden Abschied von der Gemeinde, und zog mit der
Fahne des Heils, dem Kreuze Christi, ausgestattet, mit ihnen unter
eifrigem Gebethe, und mit einem Herzen voll Vertrauens und heili-
ger Liebe seiner neucn Bestimmung zu.
Eine neue thebaische Wüste entstand in diesem Wcrmuththale,
das bald den Namen des hellen Thales <Mairuaux) erhielt, und die
Pstauzschule unzähliger Klöster und großer Männer wurde. Hier
dienten diese Jünger des Gekreuzigten ihrem Herrn .,in Hunger und
Durst, in Fasten und Wachen, in Kälte und Blöße, in vielen und
schweren Arbeiten und Beschwernissen des Leibes und der Seele."
Ihre Nahrung bestand aus wilden Früchten, oft aus einer aus den
Blättern des Buchbaumcs bereiteten Suppe, und einem aus Hafer,
Gerste und Blättern gemischten, oft kaum zusammen haltenden Brode.
Und dennoch empfingen sie, dem getreuen Worte des Herrn zufolge,
hier hundertfältig so viel, als sie in der Welt verlassen hatten; denn
wer deschreibt den innerlichen Frieden, die Freudigkeit des heiligen
Geistes, die auf ihrcn verklärten Angesichtern leuchtete, und oft durch
süße Thränen der innigsten Andacht sich offenbarte! Eine heilige
Stille herrschte in dieser Wildniß, die den Tag hindurch nur durch
das Geräusch der Schaufeln, Aerte und andern ländlichen Geräthes,
bei dcr Nacht aber durch den Wohllaut himmlischer Lobgesänge un-
terbrochen wurde. AUmählig stiegen arme und einfache Gebäude
empor, und mit Ehrfurcht und zur großen Erbauung sahen diejeni-
gen, die sich demselben nahctcn, diese heiligen Einsiedler, die in so
großer Selbstverläugnung dem Herrn der Engel dienten. Oft man-
gelte ihnen das Allernö'thigste zu ihrem leiblichen Unterhalte. Der
gegen sich selbst so strenge Bernard sah mit dem liebreichsten Vater-
herzen die große Nolh seiner Brüder, und ermunterte sie mit den
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen