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434 Der heilige Bernardus, Abt zu Clairvaux.
land. Genua und Mailand überhäuften ihn mit Elnenbezcugungcn,
und verlangten ihn zu ihrem Bisäwfe. Er aber war durch nichts
zu bewegen, diese Würde anzunehmen. In Mailand war der An-
drang des Volkes vom frühen Morgen bis auf den Abend so groß,
daß sein schwacher Körper es nicht aushalten konnte, und er sich
darauf beschränken mußte, an einem Fenster sich sehen zu lassen.
Sie brachten eine große Anzad. mit allerlei Plagen Behafteter,
Blinde, Gichtbrüchig!' und an fchweren Krankheiten Leidende zu ihm,
und der Heilige gcrieth in die peinlichste Verlegenheit; denn so tief
auch seine Demutl) durch die hohe Meinung dieses Volkes beschämt
ward, so sehr fürchtete er anderer ^ieits das Zutraue» desselben zu
täuschen, das alle Merkmale jenes lebendigen Glaubens äußerte, dem
der Herr selbst die Gesetze der Natur zu unterwerfen verhieß. (Endlich
überließ er sich dem heiligen Ge,fce, oeil,ete mit großer Inbrunst,
und heilte, in,Gegenwart einer zahllosen Menge Augenzeuge», sämml-
liche Kranke durch die bloße Handeaufleqmig und das heilige ^reuz:
zeichen. Er fühlte, wie er hernach bekannte, daß er einen schwa-
chem Glauben habe, als dieseü V.olk, dem er das Verdienst der
himmlischen Wohlthaten zuschrieb; t>e,nn je glänzendere Werke der
Herr durch ihn tl,at, desto tiefer ward seine Demuth. Mit tiefer
Wchmuth erfultte d..< heiligen Bernaro die verlängerte Abwesenheit
von seinem stillen Clairvaux und von ftinen Brüdern. Auch diese
seufzten, als Verwaiste, nach ihrem heiß ersehnten Bater. Endlich
ward es ihm erlaubt, die Lombardei zu verlassen. Mit liebevoller
Sehnsucht eilte er über Berge und durch Thäler, dein lange mW
sehnlich erwünschten Ziele seiner Ruhe entgegen. Niemand vermag
es auszusprechcn, mit wie herzlicher und heiliger Fceude der Vater
die Söhne, und die Söhne den Vater empfingen, dessen lange Ab:
Wesenheit ihnen so schmerzlich gefallen war. Wohl hatte keine kör-
perliche Entfernung sie von ihm getrennt; auch in fernen Landern
hatte er sie, wie die Henne ihre Jungen, unter den Flügeln seines
Geistes versammelt, und er hatte den Trost, daß er nach einer so
langen Abwesenheit, nicht das Geringste zu ahnden, nicht einen Zwist
beizulegen, nicht den unbedeutendsten Mißbrauch abzustellen fand.
In dieser Zeit, geschah es, daß er einst wahrend des heiligen Meß-
opfers, indeß er auf den Wein wartete, den der Sakristan aus Un:
achtsamkeit unterlassen hatte, an die gehörige Stelle zu thun, im
Geiste verzückt ward, einen seiner geliebten Söhne sah, der im Herrn
entschlafen war,, und ihm in himmlischer Glorie erschien. Diese Er-
scheinung erfüllte sein Herz mit unaussprechlichem Troste, da dieser
ihm die Versicherung brachte, keiner aus den Söhnen dieses Hauses
würde verloren gehen; denn die Namen aller wären im Buche des
Lebens geschrieben.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen