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Am 20. August. 435
Bald hierauf mußte Bernard, auf Befehl des Papstes, sich
zur Schlichtung eines Friedensgeschäftes nach Aquitanien verfügen;
nach glucklicher Beendigung desselben kehrte er aber in großer Freude
nach seinem stillen Kloster zurück, und sttzte mit erneuertem Eifer
die Schriften fort, durch die er als einer der ersten Kirchenvater
glänzt. In Italien hatten sich die von dem Afterpapste Anakletuö
veranlaßten Unruhen noch nicht gelegt. Im Jahre 1137 wurde
daher Bernard vom Papste abermal nach Italien berufen, auf daß
er der Kirche zu Hilfe komme, und an der Herstellung des Friedens
arbeite. Er brachte viele zur Einheit der Kirche zurück. Im Jahre
1138 starb Anaklet, und die Spaltung hörte gänzlich auf. Nach
großen und mühevollen Arbeiten erhielt der wunderbare Heilige die
Erlaubniß, nach seinem geliebten Clairvaux zurückzukehren, wohin er
sich oft unter Thränen gesehnt hatte. Der ganze Adel, die Geist-
lichkeit, nebst allem Volke begleiteten ihn, wie in einem Triumph:
zuge aus dem Orte, in dem er so Erstaunliches gewirkt hatte. Ei-
nige wenige Reliquien waren alle Schätze, die er aus Italien mit-
brachte, wo er die Mönche zurückließ, die er von Clairvaur mit sich
genommen hatte, und die sämmtlich zu Bischöfen und Cardinälen
erhoben wurden. Sein Ruf ging vor ihm her, und überall auf
' seiner Reise zogen Schaaren ihm entgegen, die sich glücklich priesen,
dieses lebendige Wunder der Zeit zu sehen. Unter Frcudcnthra'nen
empfingen ihn die Seinigen, die ihm von Ferne entgegen gekommen
waren. Er genoß nun einige Zeit der Ruhe unter seinen geliebten
Kindern, erholte sich von der durch Krankheit und Arbeiten herbei-
geführten Entkräftung, besorgte die Geschäfte seines Ordens, von
welchem man Sprößlinge in allen Ländern verlangte, und vollendete,
neben seinem ausgebreiteten Briefwechsel in kirchlichen Angelegenhei-
ten, die angefangenen Werke, die nach so vielen Jahrhunderten noch
immer Quellen reicher Belehrung und lieblichen Seelentrostes dar-
bieten. Seine Einsamkeit ward erheitert durch einen Besuch des
, heiligen Malachias, Erzbischofes von Hibernien, der, weil es ihm
nicht gestattet wurde, selbst Mitglied dieses Ordens zu werden, ei-
nige Jünger aus seinem Erzbisthume dahin gesandt hatte, sich in
dieser Schule der Gottseligkeit auszubilden, um dann ähnliche Ge-
meinden in ihrem Vaterlands zu begründen, und der seinem Wunsche
und seiner Weissagung gemäß zu Clairvaur seine irdische Laufbahn
beschloß.
Gott ließ dem heiligen Bernard eine schwere Prüfung dadurch
zu, daß der Papst Innocenz gegen ihn kaltsinnig, und zum Theile
ihm abgeneigt wurde. In seiner Demuth gab er sich hievon selbst
, die Schuld, obgleich er in der That sie nicht hatte. Nach dem
Tode des Papstes Innocenz starben zwei Päpste schnell nacheinan-
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Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen