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442 Der heilige Thomas, Erzbischof zu Canterburi :c.
Jahren schon verwaisten Bisthümer Wochester und Herefort rn.it
würdigen Oberhirtcn zu versehen. Seine Vorstellungen und Bitten
blieben dießmal nicht ohne Erfolg. Die genannten beiden Bisthü-
mer wurden mit würdigen Männern besetzt. Bis daher hatte Tho-
mas auf Verlangen des Königs die Würde eines Kanzlers beibehal-
ten; um sich aber ganz und ungetheilt dem heiligen Ainte widmen
zu können, legte er dieselbe nieder, und schickte deßhalb dem Könige
das Amtssiegel zu. Dieser nahm den Schritt übel auf; ward aber
noch mehr dadurch erbittert, daß der Erzbischof in Uebereinstimmung
mit den übrigen Bischöfen die Rechte der Kirche nach den kanoni-
schen Satzungen behauptete. Es entstand hierüber ein langwieriger
und heftiger Zwist, und endlich eine grausame Verfolgung gegen
den standhaften Erzbischof, der sich endlich genöthiget sah, im Jahre
1164 den, gegen ihn gerichteten Mordanschlägen, durch die Flucht
nach Frankreich zu entgehen. Da erlangte er eine sehr gütige Auf-
nahme und kräftigen Schutz von dem Könige Ludwig VII . und von
dem Papste Alexander I I I . , der zu Sens um diese Zeit sich auf-
hielt, und der gerechten Sache mit großem Eifer sich annahm.
Thomas wollte seiner erzbischöflichcn Würde entsagen; der Papst
aber verweigerte, nachdem er mit seinen Cardinälen sich berathen
hatte, seine Einstimmung, sprach ihm Trost zu, und ermunterte ihn,
auszuharren im Kampfe, der von den Gegnern, unter die sich nun
auch mehrere Bischöfe Englands stellten, eben so ungerecht als ge-
waltthätig geführt wurde, gegen den Erzbischof, gegen dessen An-
hänger und sogar dessen Verwandte, die des Landes verwiesen wur-
den. Dadurch litt Thomas unaussprechlich viel. Er betrauerte
aber viel weniger sein eigenes widriges Geschicke, als das harte
Loos, welches Andere seinetwegen traf. Am tiefsten schmerzte ihn
der bedauerungswürdige Zustand seiner verwaisten Kirche zu Cantcr-
buri, die auf jede Weise gekränkt, und ihres Eigenthums beraubt
wurde. Ohne Unterlaß trug er dieses größte Anliegen scines Her-
zens Gott im Gebeihe vor.
Während seines mehr als sechs Jahre dauernden Aufenthaltes
in Frankreich kam Thomas in verschiedene Klöster, verweilte aber
meistentheils in dem von Pontigni, wo er, wie ein gemeiner Mönch
lebte, mit großem Eifer den geistlichen Uebungen sich widmete, durch
jede Gattung der Tugend, zumal durch diese Demuth, herrlich leuch-
tete , und mit ungewöhnlicher Strenge Werke der Abtöotung und
der Buße übte. Von dieser Vußstrenge mußte er aber in der Folge
nachlassen, weil er sich durch selbe eine schwere Krankheit zugezo-
gen hatte.
Im Jahre 1170 kam endlich die Aussöhnung zwischen dem
König von England und dem Erzbischofe von Canterburi ;u Stande.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen