Page - (000451) - in Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres - Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
Image of the Page - (000451) -
Text of the Page - (000451) -
Am 3. November. 449
überhäufte sie mit den abscheulichsten Beschimpfungen, hörte nicht
ihre wehmüthig klagende Stimme, achtete nicht die heiligsten Be-
theurungen der Unschuld, und nicht das Flehen der Schuldlosen, die
zu seine» Füßen sich hinwarf, und in Thränen zerfloß, sondern er-
griff sie, und stürzte sie von der Höhe des Schlosses über den noch
zehnmal höhern Schloßfelsen in dcn fürchterlichen Abgrund, mit den
Worten: „Empfange den wohlverdienten Lohn deiner Schandthaten!"
Alles im Schlöffe geriet!) in namenlosen Schrecken; Jedermann wich
dem Grafen aus, alle trauerten, nur Dominiko freute sich seines
teuflischen Sieges. In seiner Arglist verhinderte er die genauere
Untersuchung der Sache, und wendete Alles an, daß Heinrich zu
keinem ernsten Nachdenken über dieselbe komme.
Wen Gott schützet, den können Menschen nicht verderben. Itha
blieb, obgleich von der Höhe des Schlosses in den bei 400 Ellen
tiefen Abgrund gestürzt, unverletzt. Sie erwachte aus ihrer Betau-
bung, wie aus einem Traume, pries Gottes unaussprechliche Water-
güte, und faßte, nach langer Ueberlegung, den Entschluß, in ganz:
licher Abgeschiedenheit von der Welt, von welcher sie so grausam
verstoßen worden, sich allein zu widmen.dem Dienste Gottes, der
wunderbar sie errettet hatte. Sie mackte sich auf, ging immer tie-
fer in den Wald hinein, bis sie auf eine Stelle kam, von der sie
glaubte, daß Menschen nie dahin kommen, und die ihr zum Aufent-
halte paffend schien. Da machte sie sich unter einer alten Tanne
eine Hütte von Reisern, Rinden und Moos zum Schutze vor Re-
gen und Kälte. Ihr Lager bereitete sie sich aus zartem, getrockne-
tem Moose, und zu ihrer Nahrung sammelte sie Beeren und Wur-
zeln, von denen, sie im Sommer und Herbst immer auch einen gro-
ßen Vorrath trocknete, und für den Winter aufbewahrte. Ihren
Trank schöpfte sie aus der nahen Quelle mit der hohlen Hand, bis
sie mit einem scharfen Steine ein weiches Stück Holz ausgehöhlt
hatte, welches ihr zum Trinkgeschirr diente. An dem besten Platze
ihrer Hütte stellte sie ein Kreuz auf, welches sie aus zwei graden
Stäbchen zusammen gemacht hatte. Vor diesem lag sie sehr oft
bei Tag und bei Nacht auf ihren Knieen im Gebethe, zumal in der
Betrachtung der siebe, des Leidens und des Todes Jesu Christi, ih-
res über Alles geliebten Erlösers. Auch außer ihrer Hütte ward
ihr Alles zum Gegenstande heiliger Betrachtung der Allmacht, der
Weisheit und der Güte Gottes, und Anlaß, ihren Geist zum Him-
mel zu erheben durch Gebeth und frommen Gesang. Sie vermied,
soviel es unter solchen Umständen möglich war, den Müßiggang,
webte und strickte aus dem zarten Moose und, aus den weichen Rin-
denfaffern mehrere gute, warme Decken, flocht Körbe aus den ge-
sammelten Ruthen, höhlte mit schneidenden Schiefern harter Steine
Zweiter Band. - 29
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen