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Am 20. November und 8. Februar. 463
ser Absicht bezog er eine Zelle, die nicht ferne von der väterlichen
Wohnung zubereitet war. Bald aber war ihm der häufige Zulauf
seiner Verwandten und Freunde lästig, weil er in den frommen Ue-
bungen gestört wurde. Er verließ die Zelle, und verfügte sich nach Pa-
ris, wo er sich den höhern geistlichen Wissenschaften mit so glänzen-
den Fortschritten widmete, daß er mit der Wurde eines Doktors der
Gottesgelehrtheit beehrt wurde. Mit heiligem Eifer bereitete er sich
zur Priesterweihe vor, die er von dem Bischöfe zu Paris Moritz
Sulli empfing. In der bischöflichen Kapelle entrichtete er zum er-
stenmal das hochheilige Opfer, und da schon soll eine wunderbare
Erscheinung seinen kräftigen Beruf, der Auslösung der Gefangenen
sich zu widmen, angedeutet haben. Von diesem Zeitpunkte an
strebte er noch eifriger als zuvor, nach seiner Heiligung, die er da-
durch zu befördern glaubte, wenn er sich dem Geräusche der Welt
entziehe, und der Leitung eines geistvollen Führers übergebe. In
dieser Absicht verfügte er sich zu dem Einsiedler Felir von Valois,
der, wie oben schon bemerkt wurde, um diese Zeit im Rufe großer
Heiligkeit stand. Die göttliche Vorsehung scheint zwischen diesen
beiden gottesfürchtigen Männern nur darum eine so vertrauliche und
enge Freundschaft geschloffen zu haben, um aus ihnen Werkzeuge zu
bilden, die zur Ausführung eines großen Werkes die erste Hand an-
legen sollten. Sie führten mitsammen ein sehr strenges Leben. Ei-
ner entflammte den Eifer des Andern, vorzüglich in anhaltendem
Gebethe, und heiliger Betrachtung. Endlich entdeckte Johann von
Matha sein Verlangen, sich ganz der Befreiung der Gefangenen zu
widmen; denn tief bekümmert war er immer, so oft er daran dachte,
daß so viele Gläubige in Fesseln geschmiedet, in der Dienstbarkeit
der Muselmänner seufzen müßten. Diese Gesinnung hatte den vol-
len Beifall des Felix, und nachdem Beide durch Bußwerke und ver-
doppeltes Gebeth den Beistand von Oben ersieht hatten, glaubten
sie den göttlichen Wink zu erkennen, einen neuen Orden zu jenem
Zwecke zu stiften. In diesem Glauben sollen sie durch die Erschei-
nung eines weißen Hirschen, der zwischen seinen Geweihen ein rothes
und blaues Kreuz trug, und wiederholte außerordentliche Traumge-
sichte, in denen ihnen ein Engel erschien, und sie zum Papste gehen
hieß, bestärkt worden seyn.
Die beiden Einsiedler machten sich auf, und traten, ungeachtet
des strengen Winters, die höchst beschwerliche Reise nach Rom an,
wo sie im Jänner des Jahres 1198 ankamen. Der Papst Inno-
cenz I I I . , der kurz zuvor auf den päpstlichen Stuhl war erhoben
worden, nahm sie gütig auf, und versammelte, nachdem er von ih-
nen , und aus Briefen des Bischofs von Paris die Ursache ihrer
Reise vernommen hatte, die Cardinäle und einige Bischöfe bei St.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen