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Am 2,;. Juni. 46!)
sagen. Viele von der Nähe und aus der Ferne kamen nach Ni-
nella und nach Willembrok, sie zu sehen, sie zu bewundern, und ih-
rcr frommen Fürbitte bei Gott sich zu empfehlen. Deß ward sie
aber in ihrer tiefen Demuth überdrüssig, weßhalb sie ihren bisheri-
gen Aufenthaltsort verließ, und nach Öignics, an der Sambre, sich
begab. Sie war noch nicht lange da, als der berühmte Jakob von
Vitri, angezogen durch den Ruf ihrer Tugenden, dahin kam. Sie
beredete ihn, in das zu Oignies befindliche Kloster der regulirten
Chorherren zu treten, und dem Predigtamte sich zu widmen. Er
kehrte vorerst nach Paris zurück, wo er seine Studien verlassen hatte,
setzte dieselben fort, und ließ sich zum Priester weihen. Bei seiner
Zurückkunft nach Oignies sagte ihm Maria vor, daß er werde Bi-
schof in dem heiligen Lande werden.
Dem Jakob von Vitri gesellte sich der fromme Fulko bei, der
von seinem bischöflichen Sitze ,n Toulouse vertrieben worden war.
Er kam zuerst nach Lüttich, und war hier ein Augenzeuge von den
segensvollen Eindrücken, welche das glänzende Beispiel der gottseli-
gen Maria auf die Bewohner der ganzen Provinz B' ibant gemacht
hat. Er erstaunte, als er unter dem Frauenvolke eine bewunde-
rungswürdige Frömmigkeit, Andacht und Ehrfurcht gegen Alles, was
heilig ist, erblickte. Es versammelten sich Jungfrauen aus vcrschie-
denen Orten, die, obgleich sie vcrmögliche Eltern hatten, doch lieber
von ihrer Handarbeit lebten, um nur ein vor allen Gefahren ge-
sichertes , keusches und demüthiges Leben führen zu können. Frauen
widmeten sich dem heiligen Geschäfte, junge Mädchen zur Frömmig-
keit und zur Tugend anzuleiten, und sie auf dieser Bahn zu erhal-
ten. Man sah Wittwen, die, weil sie Gott mehr, als einst ihre»
Männern zu gefallen suchten, dem Fasten, dem Wachen, dem Ge-
bethe, der Arbeit und den Werken der Nächstenliebe mit glühendem
Eifer ergeben waren. Es gab endlich Eheweiber, die, da sie ihre
Kinder in der Furcht Gottes erzogen, sich auf einige Zeit von ihren
Männern enthielten, um sich vollkommen dem Gebethe zu widme»,
und, mit Einwilligung ihrer Männer, entsagten einige für immer
dem ehelichen Umgänge, und litten es gerne, wenn sie deßhalb von
sinnlichen Menschen verspottet wurden. Einen schönen Beweis der
Liebe für die englische Reinigkeit legte das Frauenvolk vorzüglich da
an den Tag, als der Herzog von Brabant diese Stadt plünderte,
und der übermüthige Soldat die zügellosesten Freiheiten sich erlaubte.
Die nicht entfliehen konnten, stürzten sich lieber in das Wasser,
als daß sie ihre Unschuld der Gefahr aussetzten. Gott schützte
sie, daß nicht eine Einzige, so viele ihrer auch waren, das Le-
ben verlor.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen