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474 Der heilige Franziskus von Assis :c.
den, während eines Gespräches über die Verachtung der Welt, plötz-
lich Abschied nahm und zu ihnen sagte: „Heute sehet ihr mich gc:
sund; allein vor dem Festtage der Himmelfahrt Mariens werde ich
zu dem Herrn gehen." Er reisete in die Lombardei, besprach sich
mit dem päpstlichen Gesandten, und mit dem Cardinal Hxgolin über
die Angelegenheiten seines Ordens, kehrte in den letzten Tagen des
Juli nach Bologna wieder zurĂĽck, wo er an einem Fieber, welches
von heftigen Lcibesschmerzen begleitet war, erkrankte, und endlich
am li. August die irdische Laufbahn vollendete. Sein Leichnam
wurde zu Aologna bei den Vätern seines Ordens mit großer Feier-
lichkeit beerdiget. Die Bulle der Heiligsprechung des heiligen Do-
minikus — vom Jahre 12Z5 — führt, nebst seinen großen Tu-
genden, auch viele Wunder an, durch die er von Gott verherrlichet
worden ist.
Der heilige Franziskus von Assis,
Stifter dcs Franziokancrordens.
In der gleichen Zeit, in welcher der heilige Dominikus den
Predigerorden stiftete, legte der heilige Franziskus den Grund zum
Franziskanerorden, der sich, wie jener, nach und nach allgemein ver-
breitete , und der Kirche nĂĽtzliche Dienste leistete. Franziskus er-
blickte das Tageslicht im Jahre 1182 zu Assist in Umbricn, und
cthiclt in der Taufe den Namen „Johannes;" weil er aber in sei-
ner Jugend die französische Sprache, die damals für die Handels-
geschäfte unentbehrlich war, eben so leicht als fertig erlernte, legte
man ihm den Zunamen „Franziskus" bei, der ihm in der Folge,
statt seines Taufnamens, geblieben ist. Sein Vater, Peter Ber-
nardo, der ein wohlhabender Kaufmann war, widmete ihn dem
Handelsgeschäfte, und nahm bei der Erziehung die vorzuglichste Rück-
sicht auf diesen Beruf, als dessen kĂĽnftige Lebcnsbestimmung. Allein
Franziskus fand wenig Geschmack an den trockenen, kopfzerbrechen-
den Kaufmannsarbeitcn. Er war flĂĽchtigen Geistes, und jagte den
fröhlichen Genüssen des jugendlichen Allers nach, ohne jedoch seine
Seele durch sĂĽndhafte Ausschweifungen zu beflecken. Sein GemĂĽch
war sanft, daher zur Freundlichkeit, zur Sanftmuth, zur Dienstfer-
tigkeit, und ganz vorzĂĽglich zum Mitleiden geneigt. Er machte bei
sich selbst den Vorsatz, nie einen Armen ohne Gabe zu entlassen,
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen