Page - (000478) - in Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres - Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
Image of the Page - (000478) -
Text of the Page - (000478) -
476 Der heilige Franzisklis von Assis :c.
den Augen dasselbe an, und da kam ihm vor, als höre er eine
Stimme ihm zurufen: „Franziskus, stelle mein Haus, welches dem
Verfalle nahe ist, wieder her!" Er erstaunte, weil außer ihm Nie-
mand in der Kirche war, entschloß sich, die Herstellung der Kirche
zu besorgen, und brachte bald darauf eine ansehnliche Summe Gel-
des einem armen Priester, der Petrus hieß, und bei dieser Kirche
diente, auf daß er dasselbe zur Ausbesserung der beschädigten Mauern
und zur Unterstützung der Armen verwende, und bat ihn, daß er
einige Zeit bei ihm bleiben dürfe. Letzteres bewilligte der fromme
Priester; das Geld aber nahm er nicht an, weil er den Unwillen
des geizigen Vernardo befürchtete. Franziskus warf es darauf durch
ein Fenster in die Kirche des heiligen Damian. Nicht lange war
er bei dem Prister, als sein Vater »s erfuhr, und mit einigen Ver-
wandten dahin kam, seinen Sohn und das Geld zurückzufordern.
Der Sohn verbarg sich, machte sich aber bald Vorwürfe wegen sei;
ner Feigheit, kehrte freiwillig nach Assist zurück; jedoch in einem so
schlechten Anzüge, daß man ihn für wahnsinnig hielt, und einige
mit Koth und Steinen nach ihm warfen. Seine schweigende Ge-
duld vermehrte die muthwilligc Ausgelassenheit. Der große Lärm
zog auch seinen Vater herbei, der ihn, rasend vor Zorn, aus der
Menge herausriß, und ihn unter fürchterlichen Schmähungen nach
Hause führte, wo er ihn mit Schlägen mißhandelte, ihn binden, und
als einen Unsinnigen einsperren ließ. Nach kurzer Zeit setzte ihn
aber die Mutter, als Bernardo in Handelsgeschäften abwesend war,
wieder m Freiheit. Er kehrte zur Kirche des heiligen Damian zu-
rück; und da der Vater, nachdem er nach Hause gekommen war,
ihn aufsuchte, ging er ihm entgegen, und erklärte, daß er weder
Bande noch Schläge fürchte, sondern Alles zu erdulden bereit sey
aus Liebe zu Jesu Christo. Der Vater ward ruhiger, als er in
der Kirche des heiligen Damian das Geld noch vorfand, führte sei-
nen Sohn zu Guido, dem Bischöfe von A M , in dessen Gegenwart
Franziskus allen Ansprüchen auf die väterliche Erbschaft entsagen
sollte. Dieser that's mit sichtbarer Freude, zog auch noch sein Ge-
wand aus, gab es dem Vater und sprach: „Visher habe ich dich
meinen Vater auf Erden genannt; fürderhin werde ich um so ver-
trauensvoller sagen können: Vater unser, der du bist in dem Him-
mel." Der Bischof umarmte hocherstaunt den jungen Mann, und
ließ ihm einen Rock geben.
Franziskus war jetzt fünf und zwanzig Jahre alt. Verstoßen
und enterbt von seinem Vater verließ er im Jahre 12N6 seine Ge-
burtsstadt, unter Lobpreisung Gottes in lautem Psalmgesange. Er
wanderte durch Einöden und Wälder, seinen nöthigsten Lebensunter-
halt von der Gutherzigkeit der Menschen erbittend, nach Fugubium,
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen